WIEN (stu). Im Frühjahr hätte
die Psychotherapie auf Krankenschein (PaK) nach jahrelangem Streit beschlossen werden
sollen. Doch entgegen den Erwartungen lehnten die Sozialversicherungen in der entscheidenden
Abstimmung den Vertrag mit den Psychotherapeuten ab.
Um Betroffenen doch noch therapeutische Hilfe zukommen zu lassen, einigte man sich
auf Verhandlungen auf Landesebene. Der Vorteil: regionale Gegebenheiten können
berücksichtigt werden. Doch auch diese Verhandlungen stehen unter keinem guten
Stern. Bei den ersten Sitzungen für eine Wien-weite Versorgung setzt sich der
Streit nahtlos fort. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) verhandelt parallel mit
Therapeuten und Psychologen. Denn die Psychologen seien eher bereit, die unzumutbaren
Bedingungen für die PaK zu akzeptieren - weil sie nicht hauptsächlich
davon leben würden, so Margret Aull, Präsidentin des Österreichischen
Bundesverbandes der Psychotherapeuten (ÖBVP) am Mittwoch: "Das wäre
für Psychologen nur ein Körberlgeld." Die ÖBVP-Präsidentin
kritisierte das Vorgehen der WGKK als "Spaltungsversuch". Außerdem
könne mit Psychologen nur eine Minimallösung eingeführt werden. "Das
wäre gleichzeitig eine Abwertung der Psychotherapie." Denn ein Therapeut
begleite einen Patienten in seinem Leidensprozeß. Diese Art der "seelischen
Betreuung nach akuten Krisen" könne die Psychologie nicht gewährleisten.
Ein weiteres Problem: Die Psychologen hätten für die PaK-Verhandlungen
rechtlich kein Mandat. Die WGKK hätte das umgangen indem plötzlich klinische
Psychologen zugelassen seien, so Aull. Weiterer Kritikpunkt der Psychotherapeuten:
Wer kostenfreie Therapie in Anspruch nehmen möchte, muß sich einem "Psycho-Test"
unterziehen. Diesen sollen Psychologen - auch solche ohne therapeutische Kenntnisse
- durchführen.
WIEN (stu). Bei der Wahl zum Präsidenten des Österreichischen Bundesverbandes
der Psychotherapeuten am Wochenende vollzog sich ein Umsturz. In das Führungsgremium
wurden hauptsächlich Vertreter der Gruppe AQA gewählt, die sich vehement
gegen den angebotenen Vertrag mit den Sozialversicherungen wandten. Verbandspräsidentin
Margret Aull über die neue Situation und die Möglichkeit, die Psychotherapie
auf Krankenschein doch noch einzuführen: "Wir werden mit allem Nachdruck
dafür sorgen, daß die Gespräche mit den Sozialversicherungen weitergehen."
Zuerst werde man versuchen, so Aull, daß man auf Länderebene eine Regelung
finde. Schließlich wolle man betroffenen Österreichern den kostenlosen
Zugang zur Psychotherapie ermöglichen. Generell kündigte Aull eine Kursänderung
an:
"Wir werden ab sofort deutlich selbstbewußter mit den Sozialversicherungen
verhandeln. Wir haben auch berechtigte Forderungen zu stellen."
WIEN (stu). Alfred Priz, Präsident
des Österreichischen Bundesverband der Psychotherapeuten (ÖBVP) ist am
Donnerstag noch immer wütend. Die Sozialversicherungen lehnten kürzlich
den Vertrag über die Psychotherapie auf Krankenschein in einer Abstimmung ab.
"Es gibt einen klaren gesetzlichen Auftrag zur Einführung der Psychotherapie",
donnert Priz. "Dagegen kann nicht verstoßen werden - sind wir in irgendeinem
Bananenstaat?" Der ÖBVP-Präsident erwartet sich jetzt eine Regelung
auf Länderebene: "Wenn es keinen Gesamtvertrag gibt, sind Einzelverträge
mit den jeweiligen Krankenversicherungsträger durchzuführen." Das
würde bedeuten, daß in jedem Bundesland Psychotherapeuten und Gebietskrankenkassen
eine regionale Lösung finden.
Neue Abstimmung
Empört ist Priz darüber, daß drei der vier Krankenkassen, die nun
den bundesweiten Vertrag abgelehnt haben, von ihm gar nicht betroffen sind. Vorarlberg,
Tirol und die Bauernkassen besitzen bereits Sonderregelungen zur Psychotherapie,
oder es wurden Sonderregelungen in Aussicht gestellt. Offenbar sei es nur darum
gegangen, das Projekt zu verhindern. Notfalls werde man klagen, um die gesetzlichen
Ansprüche durchzusetzen.
Auch das Verhandlungsteam des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger
(HSV) zeigt sich enttäuscht - man habe nicht alle Mitglieder überzeugen
können. Trotzdem wird beim HSV überlegt, über das Thema nochmals
abzustimmen.
Psychotherapeutin Margret Aull von "AQA", einer Therapeuten-Gruppe, die
den Vertrag bekämpft hatte: "Wir haben jetzt wieder Handlungsspielraum
für eine sozial verträgliche Lösung. Momentan ist es sinnvoll, auf
Länderebene Regelungen zu finden." Danach könne man den "notwendigen
Gesamtvertrag" mit regionalen Ergänzungen einführen.
FP-Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck zeigte sich vom Scheitern der
Abstimmung "nicht erfreut". Waneck kündigte für die nächste
Woche Gespräche mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger an.
WIEN. Wieder Aufregung um die "Psychotherapie
auf Krankenschein". Nachdem die Therapeuten nach jahrelangen Grabenkämpfen
am 12. Februar 2000 den Vertrag des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger
(HSV) annahmen, legen sich nun einige Mitglieder des HSV quer. Drei Länderkassen
(Salzburg, Vorarlberg und Tirol) sowie die Bauernkasse boykottierten bei einer kürzlich
durchgeführten Abstimmung plötzlich den Vertrag.
Vor einem neuen Anlauf am 25. April gehen jetzt die Wogen zwischen Psychotherapeuten
und Sozialversicherungen hoch. Ein Sprecher des HSV erklärte, daß bei
einigen Gebietskrankenkassen "große Verunsicherung" über die
Vorgangsweise der Psychotherapeuten herrsche: "Sie beschließen einerseits
die Annahme unseres Vertrags und gleichzeitig eine Resolution, laut der dieser Vertrag
bekämpft wird." Außerdem habe der NÖ-Therapeutenverband rechtliche
Schritte gegen das Abkommen angekündigt. "Der Verband der Psychotherapeuten
steht offensichtlich nicht hinter dem eigenen Vertrag."
Weiterer Grund für die ablehnende Haltung des HSV: Die finanzielle Situation
der Kassen. "Bei einem prognostizierten Verlust von fünf Milliarden Schilling
im Jahr 2000 haben wir absolut keinen Spielraum mehr für irgendeine neue Leistung",
so ein HSV-Sprecher.
Der plötzliche Meinungsumschwung bei den Sozialversicherungen stößt
bei Jutta Fiegl, Leiterin des Psychotherapeuten-Kassenverhandlungsteams auf Unverständnis:
"Wir stehen selbstverständlich hinter dem Vertrag." Natürlich
gebe es vereinsintern Widerstände. Eine kleinere Gruppe, die in Niederösterreich
stark vertreten sei, habe im Internet Widerstand angekündigt - aber die Sozialversicherungen
bräuchten nicht verunsichert zu sein. "Der Vertrag wurde bei der Bundeskonferenz
mit der nötigen Mehrheit angenommen und gilt."
Kompromißvorschlag
Die Finanzknappheit der Kassen läßt Figl nicht gelten: "Seit 1994
zahlt jeder Österreicher einen erhöhten Beitrag zur Sozialversicherung,
nur um die Psychotherapie auf Krankenschein zu finanzieren."
Die Psychotherapeutin schlägt aber einen Kompromiß vor: Tirol soll vom
Vertrag ausgeklinkt werden, da dieser Landesverband bereits ein eigenes Modell mit
der Gebietskrankenkasse besitzt. Die Einführung bei der Bauernkasse, die derzeit
mit einem Milliarden-Defizit kämpft, soll aufgeschoben werden. Das würde
250.000 Leute betreffen. Und ob die Salzburger Kasse gegen den Vertrag sei, habe
man bisher nicht eruieren können: "Dort kommen ständig widersprüchliche
Signale", so Fiegl. Dann bleibe nur noch Vorarlberg. Und hier müsse doch
eine Lösung zu finden sein.
WIEN (fa). Wer sich bei einem Arzt, der
über keinen Kassenvertrag verfügt ("Wahlarzt"), behandeln läßt,
erhält weiterhin nur 80 Prozent der Kosten vergütet, die die Krankenkasse
für den Besuch bei einem Vertragsarzt übernimmt. Der Verfassungsgerichtshof
hält eine entsprechende Regelung im ASVG für verfassungsrechtlich unbedenklich.
Die Mehrkosten, die den Kassen bei der Verwaltung von Wahlarzthonoraren anfallen,
können an die Patienten weitergegeben werden, entschied der VfGH jüngst
in einem Erkenntnis (G 24/98 u.a.). Die Krankenkassen hatten zuvor den geringeren
Kostenersatz für Wahlarztbesuche mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand
und höheren Kontrollkosten begründet.
WIEN (red./apa). Überraschung bei der
Diskussion um die Bewältigung der finanziellen Probleme der Krankenkassen:
Der Präsident der Sozialversicherungsträger, Hans Sallmutter (SP), erklärte
am Donnerstag, der Abgang der Krankenkassen von 3,4 Milliarden Schilling im vergangenen
Jahr und voraussichtlich rund 5,7 Milliarden Schilling im heurigen Jahr, sei aus
Rücklagen abzudecken. Die 5,7 Milliarden Defizit für heuer seien aber
"das Limit". Zur Finanzierung weiterer Leistungen, die freilich schon
fixiert sind, seien aber zusätzliche Mittel notwendig. Sallmutter fordert
dazu "moderate" Beitragserhöhungen. Die Einführung eines generellen
Selbstbehalts für Patienten lehnt er weiterhin ab. Als Beispiele für
neue Leistungen führte Sallmutter die künstliche Befruchtung und die
geplante Psychotherapie auf Krankenschein an. Dies sei nicht mit Einsparungen
oder Selbstbehalten zu bewältigen. Auf eine Ziffer, wie wie hoch die Beitragserhöhung
ausfallen müßte, wollte sich Sallmutter in einem Gespräch mit der
Austria Presse Agentur nicht festlegen. Als Rechenbeispiel verwies er darauf, daß
eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge um ein Prozent (jeweils
0,5 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer) rund 14,5 Milliarden Schilling
an Mehreinnahmen bringen würde.
80 Schilling in Ambulanzen
Für Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck (FP) ist derzeit nur die
Einführung eines Behandlungsbeitrages von 80 Schilling beim Besuch einer Ambulanz
fix. Beim Arztbesuch solle es vorerst bei der 50-Schilling-Krankenscheingebühr
bleiben. Nach Einführung der Chipkarte statt des Krankenscheins (die frühestens
2001 kommt, Anm.) sei es möglich, entweder gar nichts oder einen geringen Selbstbehalt
einzuheben.
Ab dem 1. Juli soll jeder Österreicher,
der psychotherapeutische Hilfe benötigt, diese auch kostenlos bekommen. WIEN
(stu). Nach jahrelangen Streitereien und Grabenkämpfen innerhalb des Österreichischen
Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBPT) fiel am vergangenen Wochenende
die Entscheidung: Die Delegierten stimmten für die Annahme des Vertrages, die
Psychotherapie auf Krankenschein wird noch heuer umgesetzt - "Die Presse"
berichtete in Teilen der Montag-Ausgabe.
ÖBPT-Präsident Alfred Priz zeigte sich am Montag erleichtert: "Es
war eine sehr anstrengende Diskussion. Aber jetzt haben wir für die Umsetzung
den 1. Juli ins Auge gefaßt - das alles ist ein Meilenstein für uns."
Hält der Termin, kann jeder Österreicher ab diesem Datum kostenlos einen
von österreichweit 415 Psychotherapeuten aufsuchen, die einen Kassenvertrag
besitzen - davon 150 in Wien. Für die Behandlung bei einem Wahl-Therapeuten
(Kosten: 700 bis 1200 Schilling pro Stunde) schießt die Kasse 520 Schilling
pro Stunde zu. Nach dem Erstgespräch muß sich der Patient von einem praktischen
Arzt untersuchen lassen. Dadurch möchte die Kasse ein organisches Leiden ausschließen.
"Ein Formalakt", beruhigt Priz. Die Regelung mit Kassen- und Wahltherapeuten
gilt vorerst für alle in Österreich zugelassenen Psychotherapeuten.
"Endgültiger Kompromiß"
Bisher scheiterte eine Einigung an einer Zusatzausbildung, die von den Sozialversicherungen
gefordert wurden. Jutta Fiegl, Psychotherapeutin und Leiterin des Verhandlungsteams:
"Wir haben anfangs heftig darüber diskutiert. Aber die Zusatzkriterien
wurden modifiziert, wir haben mit den Sozialversicherungen endgültig einen
Kompromiß ausgehandelt." Modifiziert wurden unter anderem die Übergangsfristen.
Therapeuten, die noch nicht über die geforderten Zusatzqualifikationen verfügen,
haben nun bis zum 31. Dezember 2001 Zeit, diese nachholen.
In der Vergangenheit hatten Fraktionen der Psychotherapeuten offen mit dem Austritt
gedroht, falls der Vertrag angenommen wird. Von "Knock Out"-Kriterien,
"Erpressung durch die Sozialversicherungen" oder einer "reinen Zugangsbeschränkung"
war die Rede.
Nach der erfolgreichen Abstimmung versucht Priz die Wogen im Verband zu glätten:
"Ich hoffe, daß die kritischen Kräfte, die in vielen Punkten Recht
haben, uns weiter unterstützen werden."
Priz wandte sich dabei gegen Pläne der neuen Bundesregierung, einen Selbstbehalt
für Kassenpatienten einzuführen: "Das ist ein ungeeignetes Mittel
zur Budgetsanierung. Der Selbstbehalt erhöht das finanzielle Risiko des ohnehin
Erkrankten und untergräbt die Solidaritätsidee mit den Schwachen."
Vorstellbar wäre für Priz dagegen eine "leichte Erhöhung"
der Sozialversicherungsbeiträge.
Die Verhandlungen zwischen dem Berufsverband
der Psychotherapie und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger sind
am Wochenende gescheitert.
WIEN (red.). Die Diskussionen um
die Einführung von Psychotherapie auf Krankenschein gehen weiter. Die Verhandlungen
darüber sind am Wochenende - vorerst - gescheitert. Wie berichtet, plädierte
der Bundesverband der Psychotherapeuten unter seinem Präsidenten Alfred Pritz
ständig für eine Annahme des Vertrages. Der größte Konfliktpunkt
bei den Verhandlungen waren Zusatzbestimmungen, welche vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger
festgelegt wurden, um einen Kassenvertrag zu bekommen. Viele Psychotherapeuten fürchteten,
daß sie diese Zusatzkriterien nicht erbringen können und sahen sich in
ihrer Existenz bedroht. Sie bezeichneten die Zusatzkriterien als "Knock-Out"-Methode.
Die Gruppierung AQA (Arbeitsgruppe Qualifizierte Alternative), die den Vertrag wegen
zusätzlicher Fortbildungskriterien ablehnt, setzt sich weiterhin für eine
Nachverhandlung des Vertrages ein, um die Zusatzkriterien zu Fall zu bringen. "Es
geht uns nicht darum, daß bald verhandelt, sondern daß sorgfältig
verhandelt wird", erklärte AQA-Sprecherin Margret Aull am Sonntag der
"Presse". Punkte, die nachverhandelt werden sollten, seien aber nicht
zur Sprache gekommen. Nun stehen weiter Spaltungen im Raum. Die nächste Chance
zur Einigung soll es am 12. Februar geben: Dann wird es laut Aull neuerlich zu einer
Abstimmung kommen.
WIEN (red.). Die Österreicher stehen
einer Behandlung der Psychotherapeuten immer offener gegenüber. Laut einer
Studie des Klagenfurter Humaninstituts sind die Vorbehalte einem "offenen Interesse"
gewichen: 67 Prozent von 840 Befragten ziehen laut Studie ein therapeutisches Gespräch
der Einnahme von "Psychopillen" vor. 62 Prozent finden, daß zu schnell
zu Medikamenten gegriffen wird. Im Internet kann jeder unter www.humaninstitut.at/typ2000
testen, wie es um seine Psyche bestellt ist.
Der Kassenvertrag über die Psychotherapie auf Krankenschein wird nochmals nachverhandelt.
Unterdessen gründen Therapeuten Initiativen für und gegen die derzeitige
Verhandlungslinie.
WIEN (stu). "Der Vertrag wird nachverhandelt. Es hat bereits zwei Treffen
mit Vertretern der Sozialversicherungen gegeben." Das erklärte der Präsident
des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBPT), Alfred
Priz, am Freitag gegenüber der "Presse". Diese Nachverhandlungen,
so Priz, möchte man noch vor Weihnachten abgeschlossen haben. Themen sind die
Verlängerung der Übergangsfrist sowie eine Lockerung der geforderten Fortbildung
für Therapeuten - auch für jene, die mehr als 10 Jahre Berufserfahrung
besitzen.
Vertreter der Psychotherapeuten-Initiative AQA, die den angebotenen Vertrag der
Sozialversicherungen wegen zusätzlicher Fortbildungskriterien ablehnen, kritisieren:
"Es wurde in der Bundeskonferenz beschlossen, mit einer anderen Linie als bisher
nachzuverhandeln", erklärte Madelaine Wessely aus der NÖ-Therapeutenfraktion.
Neben Änderungen der Zusatzkriterien solle nochmals über das Honorar gesprochen
werden, fordert die Therapeutin.
"Hier muß man realistisch sein. Die Vorstellungen, daß Zusatzkriterien
abgeschafft werden, ist illusorisch", erklärt dazu Verbandspräsident
Priz. Eine Modifikation sei aber realistisch. "Eine veränderte Linie bei
den Verhandlungen war ein Beschluß der Bundeskonferenz", kontert Wessely.
Pro Kassenvertrag
Unterdessen wurde von Tiroler Therapeuten eine Initiative für die Annahme des
Kassenvertrages gegründet. Man möchte ein Gegengewicht zu den Kritikern
schaffen, erklärte Leiter Reinhard Schweiger: "Die Zusatzkriterien kann
jeder erfüllen. Die Forderung erscheinen im europäischen Vergleich als
realistisch." Schweiger sieht seine Initiative als Vertretung der heimischen
Kassen-Psychotherapeuten: "Wenn die endgültige Abstimmung im Jänner
negativ ausgeht wird der Vertrag wahrscheinlich nie kommen."
(c) Die Presse, Wien
Die Krankenkassen sollen endlich ihren gesetzlichen Verpflichtungen aus dem Jahr
1992 nachkommen und Psychotherapie auf Krankenschein flächendeckend anbieten.
Das ständige Hinhalten der Patienten durch unakzeptable Vertragsbedingungen
für die Psychotherapeuten ist skandalös. Genauso wie der bisher seit 1992
gleich bleibende geringe Kostenzuschuß von 300 Schilling für eine einstündige
Psychotherapiestunde. Diese völlig unzureichende Finanzierung wiegt umso schwerer,
als im Zuge der 50. ASVG-Novelle die Krankenversicherungsbeiträge zum Zweck
der Finanzierung der Psychotherapie angehoben wurden. Die daraus resultierenden
hunderten Millionen Schilling werden auf Kosten der Patienten nicht zweckentsprechend
eingesetzt. Dieser Umstand ist unerträglich und bedeutet eine Verhöhnung
der Patienten.
Gerald Nobis
1150 Wien
WIEN. Hochspannung bis zuletzt herrscht im Lager der Psychotherapeuten,
die morgen bei einer Delegiertenkonferenz in Salzburg über den umstrittenen
Kassenvertrag mit der Sozialversicherung abstimmen sollen. Da einige Kriterien für
die Bewertung des Vertrages nicht vorliegen, lehnen Teile der Berufsvertretung die
Durchführung des Votums ab. Insbesondere gibt es noch keine akkordierte Liste
mit anerkannten Institutionen, in denen die im Kassenvertrag verlangten Zusatzqualifikationen
erworben werden können.
Die Abstimmung dürfte aber die letzte Möglichkeit zur Annahme des Vertrages
sein. Im Hauptverband sei man "mit der Geduld am Ende", sagte eine Sprecherin
am Mittwoch. Längstens bis Jahresende müsse die Einigung kommen, sonst
werde die psychotherapeutische Versorgung künftig vermehrt über Ambulatorien,
Vereine und Ärzte (Psychiater) abgewickelt.
Strittig sind Zulassungsbeschränkungen für Kassen- und Wahltherapeuten.
Der Hauptverband fordert unter anderem intensive Berufserfahrung in der Psychosen-
und Sucht-Behandlung sowie praktische Tätigkeit in psychiatrischen Abteilungen,
die vielen Bewerbern fehlt.
Der Vertrag wird daher als von Sparvorgaben motivierte Angebotsverknappung empfunden.
Die Fronten gehen durch die Berufsvertretung. Ablehnung wird vor allem aus dem Burgenland,
Niederösterreich und Tirol erwartet. Zur Vertragsannahme ist eine Zweidrittelmehrheit
nötig.
WIEN (stu). Österreichische
Patienten können sich freuen. Nach mehr als siebenjährigen Verhandlungen
zwischen dem Bundesverband der Psychotherapeuten (ÖBP) und dem Hauptverband
der Sozialversicherungen (SV) wurde am Freitag ein leidiges Kapitel des österreichischen
Gesundheitswesens abgeschlossen: die Psychotherapie auf Krankenschein.
Nach einem letzten Verhandlungsmarathon präsentierten die Vertreter beider
Parteien am Freitag die Einigung. Der Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger
(SV), Hans Sallmutter, zeigte sich "außerordentlich froh" über
die Einigung: "Denn die Versicherten haben ein Recht darauf, in geregelter
Form Psychotherapie auf Krankenschein in Anspruch zu nehmen."
Wird die Einigung in den verschiedenen Gremien der Psychotherapeuten abgesegnet,
was derzeit noch nicht gesichert ist, soll ab dem nächsten Frühjahr die
Psychotherapie auf Krankenschein umgesetzt werden. Laut Sallmutter werden dann österreichweit
415 Kassenverträge mit Therapeuten
abgeschlossen.
Sallmutters Stellvertreter Josef Probst rechnet im ersten Jahr mit einer Million
Betreuungsstunden: "Das würde der Behandlung von etwa 50.000 Menschen
oder 0,6 Prozent der Bevölkerung entsprechen." Die Kosten für die
SV dürften sich daher von etwa 350 Millionen Schilling auf 700 Millionen verdoppeln.
Pro Stunde erhalten Therapeuten künftig 650 Schilling. Jutta Fiegl, Verhandlungsleiterin
der Psychotherapeuten, freute sich über das Ende der "harten Verhandlungen":
"Aber die zusätzlichen Kriterien der Sozialversicherungen waren für
uns nicht leicht zu erfüllen." Bisher scheiterten die Verhandlung an der
Forderung der SV, daß Therapeuten, die einen Kassenvertrag anstreben, eine
umfassende psychiatrische Ausbildung absolvieren müssen. Nachdem sich die SV
in Detailfragen gesprächsbereit zeigte, war der Weg für die Einigung frei.
Bereits 1992 wurde der Anspruch auf Psychotherapie gesetzlich festgeschrieben, zwei
Jahre später die Krankenkassenbeiträge zur Finanzierung der Psychotherapie
erhöht. Bisher erhalten Patienten, die sich einer Therapie unterziehen, von
der Krankenkasse nur einen Zuschuß von 300 Schilling pro Stunde. Für
eine einstündige Betreuung stellen Psychotherapeuten allerdings eine Rechnung
von tausend Schilling.
"Rasche Umsetzung". Die Wiener Arbeiterkammer begrüßte
das Verhandlungsergebnis und forderte eine rasche Umsetzung. Der erleichterte Zugang
wird nach Ansicht der AK auch helfen, Krankenstands- und Spitaltage sowie Medikamente
einzusparen. FP-Sozialsprecher Herbert Haupt zeigte sich ebenfalls erfreut. Er behalte
sich aber das endgültige Urteil vor, "bis die Verträge auf dem Tisch
liegen". Als "gesundheitspolitischen Meilenstein" bezeichnete SP-Gesundheitssprecherin
Elisabeth Pittermann die Einigung. Die Liberalen dagegen warnen vor den geplanten
Verträgen. LIF-Nationalratskandidatin Christa Pölzlbauer: "Tatsache
ist, daß die Zahl der Therapeuten um zwei Drittel reduziert wird, und es damit
zu einer dramatischen Unterversorgung kommt."
© Die Presse, 04.09.1999
WIEN (stu). Die Verträge zwischen
dem Verband der Psychotherapeuten und Hauptverband der Sozialversicherungsträger
stehen vor dem Abschluß. Werden die Vorschläge umgesetzt, verlieren zwei
Drittel aller Therapeuten ihre Arbeit, eine Unterversorgung im Bereich der Psychotherapie
droht, befürchten der Liberale Gesundheitspolitiker Christian Köck und
die Psychotherapeutin Christa Pölzlbauer (LIF).
Die Therapeutin über die Auswirkungen des Vertrages: "Jetzt gibt es wenig
Geld, aber viele Therapeuten. Danach gibt es Psychotherapie auf Krankenschein, aber
zuwenig Therapeuten." Der Hauptkritikpunkt: Wer einen Kassenvertrag anstrebt,
muß eine von drei psychiatrischen Zusatzausbildungen absolvieren. Köck:
"Der größte Teil der praktizierenden Therapeuten wird diese Voraussetzungen
nicht erfüllen, da Psychosen nicht zum Praxisalltag gehören." Dadurch
würden etwa zwei Drittel der etwa 5000 Psychotherapeuten von den Kassenverträgen
ausgeschlossen - ihnen drohe der Ruin.
Seitens des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger stößt die
Kritik auf Unverständnis: "Wir finden es absurd, daß eine Verbesserung
für den Patienten als Verschlechterung dargestellt wird." Die zusätzlichen
Ausbildungskriterien für Therapeuten, die Kassenverträge anstreben, sollen
nur sicherstellen, daß die Betroffenen auch mit "schweren Fällen
klar kommen", erklärte ein Sprecher des Hauptverbandes.
Seit 1992 ein Gesetz.Seit Jänner 1992 ist die Psychotherapie auf Krankenschein
gesetzlich festgeschrieben. Pölzlbauer: "Und seit 1994 wurden 600 Millionen
Schilling pro Jahr für psychotherapeutische Behandlungen budgetiert. Dafür
wurden auch die Krankenbeiträge angehoben. Tatsächlich werden aber nur
250 Millionen ausgegeben." Seitens des Hauptverbandes wird erklärt, daß
dieses Geld "in andere Leistungsbereiche geflossen" sei.
Wird das Abkommen umgesetzt, dürfen sich zumindest die Patienten freuen. Sie
müßten sich nicht mehr mit einem Zuschuß von 300 Schilling pro
Stunde begnügen, sondern bekommen die gesamten Kosten in der Höhe von
bis zu 1000 Schilling pro Stunde bezahlt.
© Die Presse, 25.08.1999
WIEN (stu). Wer derzeit die Hilfe eines
Psychotherapeuten in Anspruch nimmt, muß zahlen: 800 Schilling kostet im Durchschnitt
eine Therapiestunde. Von der Krankenkasse erhält der Patient nur 300 Schilling
pro Stunde ersetzt - obwohl seit 1993 gesetzlich vorgeschrieben ist, daß die
Sozialversicherungen die Psychotherapie in ihren Leistungskatalog aufnehmen müssen.
Mit diesen Problemen und den aktuellen Entwicklungen der modernen Psychotherapie
beschäftigen sich bis zum Donnerstag etwa 4000 Teilnehmer im Wiener Austria
Center beim "2. Weltkongreß für Psychotherapie". Nach dem Ende
des Kongresses könnte es eine Überraschung geben, erklärt Jutta Fiegl,
Leiterin des Kassenverhandlungsteams und Vorsitzende des Wiener Landesverbandes:
"Wir verhandeln noch mit den Sozialversicherungen. Aber es sieht aus, als könnten
wir uns noch im Juli einigen." Deshalb werden etwa 60 Psychologen als Vertragspsychologen
für Planstellen vorbereitet.
Die Psychotherapie auf Krankenschein scheiterte bisher an einer Auflage der Sozialversicherungen:
Der Verband der Psychotherapeuten mußte über 550 Mitglieder verfügen,
um eine flächendeckende Versorgung für alle Bundesländer garantieren
zu können - das konnte der Verband nicht. Als man verstärkt mit der Ausbildung
von Mitgliedern begann, gab es neuerlich Probleme: Die Sozialversicherungen verlangten
eine umfangreichere Ausbildung als sie der Verein für Psychotherapie vorschrieb.
Deshalb ist Psychotherapie auf Krankenschein derzeit nur in Ausnahmefällen
möglich. Beispielsweise bei der "Klinisch-Psychologischen-Diagnostik"
für Kinder, um Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten
zu therapieren. Allerdings muß das Krankheitsbild in ein vorgegebenes Diagnoseschema
passen, und ein Praktischer Arzt bestätigen, daß die Symptome nicht auf
organische Ursachen zurückzuführen sind.
© Die Presse, 6.7.1999
WIEN (ku). "Seit acht Jahren wird den
Patienten das Recht auf eine Psychotherapie auf Krankenschein verweigert."
Dieser Meinung ist der Präsident des Österreichischen Bundesverbands für
Psychotherapie, Alfred Pritz. Derzeit bekommt jeder Patient, der einen der österreichweit
etwa 1500 bis 1800 niedergelassenen Psychotherapeuten aufsucht, einen Zuschuß
der Krankenkasse von nur 300 Schilling, was etwa 40 Prozent der tatsächlichen
Kosten für den Patienten deckt.
Pritz' Schluß: Dem Großteil der Menschen, die eine Psychotherapie bräuchten,
sie sich aber nicht leisten könnten, bliebe diese Behandlung verwehrt. Seit
der ASVG-Novelle 1992 sei die Psychotherapie eine Pflichtleistung der Krankenkasse,
seit acht Jahren verhandle man um einen österreichweiten Vertrag, der Psychotherapie
auf Krankenschein ermöglichen soll, doch bisher erfolglos. Pritz wittert dahinter
System: Die Krankenkassen, die verpflichtet seien, das Gesetz umzusetzen, verhinderten
dies.
Einzelne Länderverträge. Und noch paradoxer: Sowohl der Präsident
des Hauptverbandes Österreichischer Sozialversicherungsträger (HVST),
Hans Sallmutter, als auch Gesundheitsministerin Lore Hostasch (SP) sprächen
sich öffentlich für die Psychotherapie auf Krankenschein aus, sie könnten
sich aber damit nicht durchsetzen. Dazu komme noch, so Pritz, daß die Krankenkassen
in den Bundesländern alle ihr eigenes Süppchen kochten: "In Tirol
gibt es einen Vertrag, in Wien zum Beispiel nicht." Laut Jutta Fiegl vom Wiener
Landesverband für Psychotherapie seien für eine flächendeckende Versorgung
Österreichs etwa 600 bis 800 Millionen Schilling nötig, derzeit würden
aber nur etwa 250 Millionen Schilling für Psychotherapie aufgewendet.
Volkswirtschaftlich sei eine Psychotherapie auf Krankenschein sinnvoll, weil der
Großteil der Krankenstände und Frühpensionen auf das Konto von psychischen
Erkrankungen gingen. Und fachlich sei das Vorenthalten der Psychotherapie schon
gar nicht haltbar: "Nach heutigem Wissensstand kann es als Kunstfehler bezeichnet
werden, wenn man Patienten eine Psychotherapie vorenthält, die sie brauchen
würden."
In einer Reaktion betonte der HVST, die Psychotherapie auf Krankenschein so rasch
wie möglich aufbauen zu wollen, man wolle aber sicherstellen, daß nur
"ausreichend erfahrene" Psychotherapeuten auf Kassenkosten tätig
werden.
© Die Presse, 15.4.1999