Der "entsetzliche" Leistungsdruck, dem viele heute ausgesetzt sind, ist mit
schuld, daß mehr Menschen als je zuvor an Depressionen leiden. Diese Krankheit
wird leider aber auch von vielen Ärzten nicht erkannt. "Die Ausbildung zum Allgemeinmediziner
geht haarscharf an der Psychiatrie vorbei."
"Es sind unmögliche Anforderungen, die an den Berufstätigen von heute gestellt
werden. Da darf man sich nicht wundern, wenn daraus Dauerstreß entsteht und
das Ganze in eine Depression umkippt", kritisiert der Grazer Psychiater Univ.-Prof.
Dr. Hans Georg Zapotoczky, einer der Präsidenten der neu gegründeten Österreichischen
Gesellschaft für depressive Erkrankungen. Letztere nehmen seit Jahren dramatisch
zu. Feind der Gesundheit "Mit ein Grund dafür", so Zapotoczky, "ist der entsetzliche
Leistungsdruck, der auf vielen Menschen lastet." Da müsse man einen Hebel in
Richtung Depressions-Reduzierung ansetzen. Die Gesellschaft, die Chefs, die
Leistungsforderer müßten einsehen, daß der momentane Weg ein Feind psychischer
Gesundheit sei. Immerhin: Jeder dritte Österreicher erkrankt mindestens einmal
im Leben an einer Depression, in diesem Moment leiden rund 500.000 Alpenrepublikaner
daran. Laut Weltgesundheitsorganisation werden depressive Erkrankungen im Jahr
2010 weltweit vor Herz-, Kreislauf-, Krebs- und anderen Erkrankungen an erster
Stelle stehen.
Ein nicht minder beunruhigendes Faktum: Viele Ärzte erkennen eine Depression
nicht. Zapotoczky: "Jeder fünfte bis sechste Patient, der einen Arzt wegen irgendeiner
Krankheit aufsucht, leidet an einer Depression, aber in gut 50 Prozent der Fälle
erkennt der Mediziner das nicht. Die Ärzte für Allgemeinmedizin sind dafür nicht
ausgebildet, das ist ein unhaltbarer Zustand." Die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin
gehe haarscharf an der Psychiatrie vorbei. "Es ist in Österreich heute möglich,
daß einer als praktischer Arzt tätig ist, ohne je einen psychiatrischen Patienten
gesehen zu haben." Eine Änderung des Studiums sei also dringend vonnöten und
(ab diesem Herbst) in kleinen Schritten bereits vorgesehen. "Aber bis diese
Studenten fertig sind, werden zehn Jahre ins Land gehen."
Deswegen will die Österreichische Gesellschaft für depressive Erkrankungen den
bereits fertigen Ärzten die Depression im Rahmen von Workshops näher bringen.
Ein weiteres Ziel der Gesellschaft: Das Tabu um die Depression zu brechen. Die
meisten Betroffenen verstecken ihre Krankheit, halten sie geheim. Weil sie sich
- leider nicht zu Unrecht - vor Nachteilen beruflicher und sozialer Art fürchten.
"Ein Trauerspiel, daß das auch am Beginn des dritten Jahrtausends noch so ist",
meint der Tiroler Psychiater Univ.-Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber, ebenfalls
Präsident der neuen Gesellschaft. Sie will die Bevölkerung auch in diesem Bereich
wachrütteln und die Depressiven "befreien". "Wäre schön, wenn dann ein Angestellter
eines Tages seinem Chef nicht mehr einen Zahnarzttermin vorgaukeln müßte, sondern,
ohne Angst vor beruflichen Konsequenzen, sagen könnte: Ich muß wegen Depressionen
zum Psychiater." Heute sei das nur selten möglich, die meisten Chefs hätten
dafür - beruhend auf Unwissen - kein Verständnis.
Womit sie aber nicht alleine sind! Für viele Mitmenschen, für Angehörige eines
Depressiven, ja mitunter sogar für Ärzte und Betroffene selbst, beruht Depression
noch immer auf Selbstverschulden. Das Leiden der Seele wird entweder scheel
angesehen oder nicht ernst genommen und geringschätzig als "Laune" oder "Lebensunlust"
abgetan. "Ein fataler Irrtum", betont Zapotoczky, "Depression ist eine Krankheit
wie jede andere auch und, es ist eine ernstzunehmende Krankheit mit hohem Selbstmordrisiko.
" Umso dringender sei es, Depressionen rechtzeitig zu erkennen. Das ist allerdings
nicht immer leicht. Denn einerseits versuchen Betroffene, wie erwähnt, zu kaschieren
wo geht, andrerseits hat die Depression viele Gesichter. Lavierte Depression
nennt man es, wenn nicht typische Verstimmtheit, Lust- und Antriebslosigkeit
im Vordergrund stehen, sondern etwa Kopfweh, Rückenschmerzen, verstärkte Aggressionsbereitschaft
(vor allem bei Männern) - jedes Organ, vom Scheitel bis zur Sohle, kann bei
einer vorliegenden Depression mit betroffen sein.
"Das A und O der körperlichen Beschwerden aber sind Schlafstörungen", macht
Zapotoczky aufmerksam. "Wenn jemand 14 Tage hindurch jede Nacht gegen zwei,
drei Uhr morgens aufwacht und vielleicht auch noch einen sehr schnellen Puls
hat, dann sollte man schon an eine Depression denken." Und nicht Versteck-Spielen,
sondern handeln! Denn mittels moderner Antidepressiva, Psychotherapie und eventuell
auch Licht- oder Wachtherapie sei die Depression gut und nachhaltig therapierbar.
Hinterhuber: "Es ist heute wirklich nicht mehr notwendig, daß ein Depressiver
viele Jahre seines Lebens in Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit verbringt."
Die Medizin kann heilen, doch das beste Antidepressivum nützt freilich nichts,
wenn es verpackt beim Apotheker bleibt - weil der Betroffene es nicht wagt,
sein Leiden zuzugeben, damit zum Neurologen oder Psychiater zu gehen.Und hier
kommt der Gesellschaft eine wichtige Aufgabe zu: Damit das Bild vom "geachteten
Herzinfarkt-Patienten" und "geächteten Depressiven" endlich verschwindet. Im
dritten Jahrtausend sollte es doch möglich sein, zu begreifen, daß Depression
nichts mit Psycherl, Seelchen oder Selbstschuld zu tun hat, geistig anzunehmen,
daß Depression ein ernsthaftes Leiden ist.
Österreichische Gesellschaft für depressive
Erkrankungen, 0664/316 12 75, Fax: 02254/72 965.
Gratulation zu dem ausgezeichneten Artikel von Claudia Richter über "minderwertige
Krankheiten" - sie spiegelt die ganze irrationale Verleugnung und Verdrängung
wider, welche der Psychoanalyse schon zu Freuds Zeiten widerfuhr. Mittlerweile
führen nur einzelne verbohrte Kritiker ihren Glaubenskrieg, die reale Medizin
und Medizinstatistik hat die psychischen Erkrankungen längst als Massen-Volksseuche
entlarvt und wirksame Therapie, insbesondere Psychotherapie gefordert (so u.
a. der Gesundheitssprecher der ÖVP, Rasinger!).
Seit 1990 ist die Psychotherapie gesetzlich geregelt, v. a. eine anspruchsvolle
Ausbildung vorgeschrieben. Die Krankenkassen sind ihrer gesetzlichen Verpflichtung,
Psychotherapie als Kassenleistung anzubieten, immer noch nicht nachgekommen.
(Die 50. ASVG-Novelle, die diese Pflicht regelt, enthält leider keine Strafbestimmungen
für die Verletzung dieser Verpflichtung!) Als Argument hört man von Kassenseite
oft, das käme zu teuer! Die lange Krankenkassendebatte im Frühjahr und Sommer
2000 wurde auch mit diesem Argument bestritten. Völlig falsch: Die Kosten für
Psychotherapie würden nur einen Bruchteil der Kosten für Psychopharmaka ausmachen!
Und vor allem wäre Psychotherapie ein enorm kostensparender Faktor: Eine rechtzeitige
Psychotherapie hat schon oft schlimme Entwicklungen bis hin zur Invalidenrente
verhindert. Aber auch kurzfristig wirkt Psychotherapie ähnlich: wird sie in
chirurgischen Fällen angewandt, so spart sie eine Menge Schmerz- und Beruhigungsmittel,
und der durchschnittliche Patient mit Psychotherapie verläßt das Krankenhaus
zwei bis drei Tage früher als der durchschnittliche Patient ohne Psychotherapie.
Geradezu sensationell aber sind die mittelfristigen Einsparungen! Schon seit
den 50er Jahren wissen wir (wissenschaftliche Untersuchung von Annemarie Dührssen/Berlin),
daß die Spitalsaufenthaltszeiten von therapierten Patienten nach der Psychotherapie
nur mehr ein Fünftel der Spitalsaufenthalte vor der Therapie ausmachten, während
eine Kontrollgruppe unbehandelter neurotischer Patienten sich immer noch gleich
bzw. sogar etwas mehr in Spitalspflege begeben mußte; sehr oft sind das die
berühmten "stationären Durchuntersuchungen", nach denen es dann keine organischen
Befunde gibt! Wenn man die Kosten auch nur eines Spitalstages bedenkt, dann
ist das eine sensationelle Ersparnis! Oder der Bericht des Psychotherapeuten
Prof. Erwin Ringel, daß seine Patienten in der somatischen Abteilung vorher
im Durchschnitt 7,5 Jahre medikamentös, chirurgisch fehlbehandelt wurden, bis
sie endlich bei ihm zur richtigen Adresse kamen! Wieviel Leid und verlorene
Lebenszeit für den Patienten, welch gewaltiger sinnloser Aufwand für die Kassen!
Solche Fakten müßten endlich allgemein bekannt sein. Dann erst könnte man Fragen
der Kassenfinanzierung der Psychotherapie sinnvoll und sachlich diskutieren!
Prof. Dr. Otto Lang
5020 Salzburg
Der Bundesverband der Psychotherapeuten reichte Klage gegen die Wiener
Gebietskrankenkasse ein. Grund dafür ist der umstrittene Kassenvertrag.
WIEN (red.). Vor rund zehn Jahren wurde die Psychotherapie auf Krankenschein
(PaK) gesetzlich verankert. Nach achtjährigen, schwierigen Verhandlungen
wurde per 1. Jänner in Wien die PaK eingeführt. Jetzt ist die neue Regelung
bedroht. Denn der Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) geht vor Gericht.
Geklagt wird die Wiener Gebietskrankenkasse samt zwei Vereinen, welche die
PaK derzeit anbieten.
Durch diese Vereinslösung werde das ASVG (Allgemeine
Sozialversicherungsgesetz) auf mehreren Ebenen umgangen, kritisierte der
ÖBVP am Mittwoch. Laut Gesetz gebe es nur die Möglichkeit für einen
Gesamtvertrag, erklärte Eva Mückstein, Vizepräsidentin des ÖBVP. Kritisiert
wird auch, daß Therapeuten, die nicht mit den beiden Vereinen kooperieren,
benachteiligt würden. Sie sollten wie Wahlärzte behandelt werden. Dem
Patienten würden in diesem Fall 80 Prozent der Kosten rückerstattet.
Der
Hintergrund: Nach dem Platzen eines österreichweiten Vertrages im Vorjahr
begannen die Gebietskrankenkassen Verhandlungen mit den Länderorganisationen
der Therapeuten. In Wien wurden daraufhin zwei Vereine gegründet. Im ersten
sind Psychotherapeuten vertreten, im zweiten Psychologen. Seit 1. Jänner
müssen Patienten, die bisher einen Selbstbehalt von rund 700 Schilling zu
bezahlen hatten, nur mehr einen Krankenschein vorlegen. Die Mitglieder der
beiden Wiener Vereine mußten sich aber strengen Kriterien unterwerfen. Diese
wurden vom ÖBVP heftig als reine "Zugangsbeschränkung" und "unzumutbar"
zurückgewiesen.
Der Streit um die
Psychotherapie auf Krankenschein (PaK) ist seit Mittwoch um ein skurriles
Detail reicher: Psychotherapeuten klagen Psychotherapeuten. Der
Bundesverband will nicht zur Kenntnis nehmen, daß die Wiener Kollegen den
PaK-Vertrag mit der Gebietskrankenkasse akzeptierten - und damit etwas
erreichten, was der Bundesverband in achtjährigen Verhandlungen nicht
geschafft hatte. Die Klage ist nicht nur eine Drohung gegen den eigenen
Landesverband - sie ist auch eine Drohung gegen Menschen, die seit Jänner
das neue Therapie-Angebot stürmen. Ist diese Klage erfolgreich, müßten
finanziell schwache Menschen ihre im Jänner begonnene Behandlung abbrechen -
oder um teures Geld selbst finanzieren. Der Eindruck, den diese Klage
hinterläßt: Wieder einmal geht es nicht um das vielzitierte "Wohl der
Patienten", sondern nur um das Wohl einer bestimmten Berufsgruppe.
Seit Jahresbeginn ist die Psychotherapie auf Krankenschein in Wien Realität.
Die Therapeuten verzeichnen einen enormen Ansturm.
WIEN (stu).
Zufriedenheit herrschte am Donnerstag bei der Wiener Gebietskrankenkasse
(WGKK) und Vertretern von Psychologen und Psychotherapeuten. Nach
zehnjährigem Streit ist seit 1. Jänner die Psychotherapie auf Krankenschein
(PaK) offiziell in Kraft. "Wir konnten mit zwei Vereinen einen Vertrag über
zusätzlich 70.000 Stunden pro Jahr abschließen", erklärte dazu WGKK-Obmann
Franz Bittner. In den Spitälern werden 80.000 Stunden psychotherapeutische
Betreuung angeboten. Der Verein für ambulante Psychotherapie (Psychologen),
nahm seine Arbeit bereits am 1. Dezember auf. Vorsitzende Senta Feselmayer:
"Unsere Hotline wurde gestürmt. Der Spitzenwert war 30 Anrufe in drei
Stunden." Damit hätten sich die Erwartungen mehr als erfüllt, meinte
Feselmayer: "Wir haben vor allem jene erreicht, für die der Vertrag gedacht
war: Sozial Schwache, die sich eine Psychotherapie nicht leisten konnten."
Bisher erhielten Patienten nur 300 Schilling pro Behandlungsstunde, die rund
1000 Schilling kostet, erstattet. Jetzt wird die volle Behandlung bezahlt.
Derzeit betreuen 98 Psychologen des Vereins 317 Patienten. Wobei 40 Prozent
der Klienten bereits in Behandlung waren, 60 Prozent kamen neu dazu. Aber
bis zu 9000 Wiener würden psychotherapeutische Hilfe benötigen, schätzt
Jutta Fiegl von der Wiener Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung
- dem zweiten Verein, der die Psychotherapie auf Krankenschein (neben den
Ambulatorien und Spitälern) anbietet. Die Einführung der PaK kostet die WGKK
jährlich zusätzlich 60 Millionen Schilling.
WIEN (stu). Nach jahrelangen Auseinandersetzungen
wird die Psychotherapie auf Krankenschein ab dem heutigen Freitag in Wien
eingeführt - "Die Presse" berichtete. Für das Jahr 2001 werden von der
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) 70.000 Stunden zusätzlich bezahlt. Diese
Leistung wird von Psychologen (30.000 Stunden) und Psychotherapeuten (40.000
Stunden) geleistet. Ab 2002 wird dieses Kontingent um weitere 20.000 Stunden
aufgestockt. Die WGKK kostet die Einführung der Psychotherapie auf
Krankenschein 100 Millionen Schilling pro Jahr. Die Plattform Rechtshilfe
Psychotherapie will die WGKK wegen Wettbewerbsverzerrung klagen. Denn die
Psychotherapie auf Krankenschein biete "einigen wenigen" Patienten eine
kostenfreie Behandlung, alle anderen müßten weiterhin 500 bis 900 Schilling
Selbstbehalt zahlen. Informationen: 01/4025696 oder 01/4072671-17.
WIEN.
Paukenschlag im Streit um die Psychotherapie auf Krankenschein (PaK). Die
Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) gab am Montag bekannt, daß man sich mit
den Wiener Psychotherapeuten geeinigt habe. Noch im November soll der
Vertrag von der Gebietskrankenkasse abgesegnet werden - am 1. Dezember wird
die PaK für Wien eingeführt.
Insgesamt würden im nächsten Jahr 150.000 Therapiestunden finanziert, erklärte Jan Pazourek von der WGKK der "Presse".
Neben den bisherigen Leistungen in Ambulanzen und Spitälern (rund 80.000
Stunden) würden ab 1. Jänner 70.000 Stunden zusätzlich bezahlt. Diese
Leistung wird von Psychologen (30.000 Stunden) und Psychotherapeuten (40.000
Stunden) geleistet. Ab 2002 wird dieses Kontingent um weitere 20.000 Stunden
aufgestockt. In den Vereinbarungen sind besondere Schwerpunkte bei der
Behandlung schwerer Störungen sowie Kinder und alter Menschen gesetzt
worden. "Damit haben wir eine Vorbildfunktion erreicht", erklärt Pazourek:
"Niederösterreich und das Burgenland orientieren sich an uns." Die
Einführung der PaK kostet die schwer defizitäre WGKK zusätzliche 100
Millionen Schilling pro Jahr. "Wir haben es machen müssen", so Pazourek: "Es
ist eine gesetzliche Verpflichtung und einklagbar."
Freude bei der WGKK ("es waren sehr konstruktive Gespräche"), Ablehnung beim Bundesverband für
Psychotherapie. Deren Präsidentin Margret Aull befürchtet - trotz Zustimmung
des Wiener Verbandes - weiterhin eine Unterversorgung in der
Bundeshauptstadt: "Es werden falsche Berechnungen beim Bedarf gemacht." Das
Gesetz für die Psychotherapie auf Krankenschein trat im Jänner 1992
bundesweit in Kraft. Aufgrund schwerer Differenzen zwischen den
Sozialversicherungen und dem Bundesverband der Psychotherapeuten konnte das
Gesetz aber bis heute nicht umgesetzt werden.
Zehn Jahre Psychotherapiegesetz werden jetzt gefeiert. Von der Therapie auf
Krankenschein ist man aber noch immer weit entfernt. WIEN (stu). Mit einem
lachenden und einem weinenden Auge warfen die heimischen Psychotherapeuten
am Donnerstag einen Blick zurück auf "10 Jahre Psychotherapiegesetz". In die
Freude, daß dieses "im EU-Raum einzigartige Gesetz" existiert, so die
Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes der Psychotherapeuten
(ÖBVP), Margret Aull, mischte sich auch Frustration: "Die Versorgung wurde
bis jetzt nicht etabliert."
Damit spielt Aull auf die jahrelangen, erfolglosen Verhandlungen mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen über
die Psychotherapie auf Krankenschein an. Seitdem eine bundesweite Regelung
für die Psychotherapie auf Krankenschein gescheitert ist, versuchen
Gebietskrankenkassen und die Landesverbände der Therapeuten eine
individuelle Regelung für jedes Bundesland zu finden. "Um Geld zu sparen,
wollen die Sozialversicherungen dabei aber nur eine Minimallösung",
kritisiert Aull. Beispielsweise würden in Wien 150.00 Therapeutenstunden
benötigt, rechnet die Psychotherapeutin vor. Die Sozialversicherung wolle
aber nur 40.000 Stunden bezahlen. "Das sind lächerliche Kontingente."
Deshalb plädiert die ÖBVP-Chefin für die bundesweite Einführung des Tiroler
Modells. In dem einzigen Bundesland, in dem es die Psychotherapie auf
Krankenschein gibt, wird ein sozial gestaffelter Selbstbehalt eingezogen.
Jetzt soll das Modell dem Hauptverband der Sozialversicherungen im Detail
vorgestellt werden. Danach wird weiter verhandelt.