Regierungsklausur: Sanierung der kranken Krankenkassen!
Die Patienten müssen künftig tiefer in die Brieftasche greifen

Kronenzeitung, 14.04.2000
Dieter Kindermann

Wien. - Bei der heutigen Regierungsklausur geht es um ein heißes Eisen der Gesundheitspolitik: die Sanierung der kranken Krankenkassen. Wenn nicht auf die Notbremse gestiegen wird, droht das Defizit nächstes Jahr auf neun Milliarden zu explodieren. Die Patienten werden tiefer in die Brieftasche greifen müssen.

Welche Therapie sich zur Gesundung der Krankenkassen abzeichnet?

*Es kommt ein Selbstbehalt für Arztbesuche von 100 bis 200 S. Beamte, Eisenbahner und Gewerbetreibende müssen schon jetzt Selbstbehalt leisten.
*Dafür wird aber die Krankenscheingebühr von 50 S pro Quartal gestrichen.
*Die Zahl der rezeptpflichtigen Arzneien wird auf ein Drittel beschränkt.
*Die Krankenkassen müssen insgesamt 1,5 Milliarden Schilling einsparen. *Für die Psychotherapie auf Krankenschein wird eine Variante gesucht, die weniger kostenintensiv ist.
*Die Spitäler sollen Medikamente gleicher Qualität so billig wie nur möglich im EU-Raum einkaufen.
*Die Rezeptgebühr für nicht lebenswichtige Medikamente wird angehoben.

Ob es zu dieser Lösung kommen wird, ist unsicher. Der Präsident der Sozialversicherungen, Sallmutter, plädierte gestern dafür, die Sozialversicherungs-Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu erhöhen.


Psychische Hilfe ungenügend
Sozialdemokratin kritisiert die mangelnde Beratung in den
Bezirkskrankenhäusern


Kronenzeitung, Ausgabe Tirol, 23.03.2000

Seit 1997 müssen Krankenhäuser den Patienten psychotherapeutische Beratung anbieten. Doch die Versorgung liegt in den Bezirkskrankenhäusern noch im Argen, das kritisiert Gabi Schiessling von den Sozialdemokraten. Vorbildlich sind Hall und Kufstein. Dort wurden Planstellen für Psychotherapie
installiert.
Außer in Hall und Kufstein wird in den Bezirkskrankenhäusern und im Vinzenz-Spital in Zams die psychologische Betreuung hauptsächlich von Externen abgedeckt. Laut Gesetz reicht das. Doch Schiessling verweist auf eine Studie, nach der 30 bis 40 Prozent der Patienten psychotherapeutische Betreuung notwendig hätten. Und das sei nicht durch sporadische Besuche eines Psychologen abzudecken, meint die sozialdemokratische Gesundheitssprecherin. Schiessling will nun die Krankenhäuser durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung überzeugen und nennt Hall als Vorbild. Die dort angestellte Psychotherapeutin, Silvia Ge, rechnet vor: "Die Patienten sind weniger lang im Spital und die Rückfallsquote ist mit Hilfe der Psychotherapie geringer." 1999 hat Ge 150 Patienten in Hall betreut.


Psychotherapeuten: Kassenvertrag noch nicht fix

Kronenzeitung 16.02.2000

Wann kommt die Psychotherapie auf Krankenschein tatsächlich? Entgegen voreiligen Jubelmeldungen ist der Vertrag zwischen Kassen und Psychotherapeuten noch lange nicht unter Dach und Fach. Zwar hat der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie nun dem Vertragsentwurf der Krankenkassen zugestimmt, doch müssen nach Aussage von Kassenvertretern noch viele Details verhandelt werden. Pikanterweise distanziert sich der Bundesverband selbst in einer Internet-Aussendung nach wie vor von einigen Kassen-Bedingungen ....

[siehe dazu auch: Aktueller Meldungsstand]


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