Wien. - Bei der heutigen Regierungsklausur
geht es um ein heißes Eisen der Gesundheitspolitik: die Sanierung der kranken
Krankenkassen. Wenn nicht auf die Notbremse gestiegen wird, droht das Defizit nächstes
Jahr auf neun Milliarden zu explodieren. Die Patienten werden tiefer in die Brieftasche
greifen müssen.
Welche Therapie sich zur Gesundung der Krankenkassen abzeichnet?
*Es kommt ein Selbstbehalt für Arztbesuche von 100 bis 200 S. Beamte, Eisenbahner
und Gewerbetreibende müssen schon jetzt Selbstbehalt leisten.
*Dafür wird aber die Krankenscheingebühr von 50 S pro Quartal gestrichen.
*Die Zahl der rezeptpflichtigen Arzneien wird auf ein Drittel beschränkt.
*Die Krankenkassen müssen insgesamt 1,5 Milliarden Schilling einsparen. *Für
die Psychotherapie auf Krankenschein wird eine Variante gesucht, die weniger
kostenintensiv ist.
*Die Spitäler sollen Medikamente gleicher Qualität so billig wie nur möglich
im EU-Raum einkaufen.
*Die Rezeptgebühr für nicht lebenswichtige Medikamente wird angehoben.
Ob es zu dieser Lösung kommen wird, ist unsicher. Der Präsident der Sozialversicherungen,
Sallmutter, plädierte gestern dafür, die Sozialversicherungs-Beiträge
von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu erhöhen.
Seit 1997 müssen Krankenhäuser
den Patienten psychotherapeutische Beratung anbieten. Doch die Versorgung liegt
in den Bezirkskrankenhäusern noch im Argen, das kritisiert Gabi Schiessling
von den Sozialdemokraten. Vorbildlich sind Hall und Kufstein. Dort wurden Planstellen
für Psychotherapie
installiert.
Außer in Hall und Kufstein wird in den Bezirkskrankenhäusern und im Vinzenz-Spital
in Zams die psychologische Betreuung hauptsächlich von Externen abgedeckt.
Laut Gesetz reicht das. Doch Schiessling verweist auf eine Studie, nach der 30 bis
40 Prozent der Patienten psychotherapeutische Betreuung notwendig hätten.
Und das sei nicht durch sporadische Besuche eines Psychologen abzudecken, meint
die sozialdemokratische Gesundheitssprecherin. Schiessling will nun die Krankenhäuser
durch eine Kosten-Nutzen-Rechnung überzeugen und nennt Hall als Vorbild. Die
dort angestellte Psychotherapeutin, Silvia Ge, rechnet vor: "Die Patienten
sind weniger lang im Spital und die Rückfallsquote ist mit Hilfe der Psychotherapie
geringer." 1999 hat Ge 150 Patienten in Hall betreut.
Wann kommt die Psychotherapie auf Krankenschein tatsächlich? Entgegen
voreiligen Jubelmeldungen ist der Vertrag zwischen Kassen und Psychotherapeuten
noch lange nicht unter Dach und Fach. Zwar hat der Österreichische Bundesverband
für Psychotherapie nun dem Vertragsentwurf der Krankenkassen zugestimmt, doch
müssen nach Aussage von Kassenvertretern noch viele Details verhandelt werden.
Pikanterweise distanziert sich der Bundesverband selbst in einer Internet-Aussendung
nach wie vor von einigen Kassen-Bedingungen ....
[siehe dazu auch: Aktueller Meldungsstand]