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Lehrgang für Psychotherapeuten
Uni Innsbruck österreichweit als Vorreiter

Kurier, 6.4.2001

Ein neuer Lehrgang an der Universität Innsbruck ermöglicht erstmals in Österreich, dass die gesamte Ausbildung zum Psychotherapeuten an der Hochschule absolviert werden kann. Die fachspezifische Ausbildung war bisher nur in privaten Vereinen möglich, teilte der Vorstand des Institutes für Psychotherapie, Wolfgang Fleischhacker, am Donnerstag mit.
Der achtsemestrige Universitätslehrgang umfasst neben Selbsterfahrung und Praktika auch die psychotherapeutische Tätigkeit unter Supervision. Die Teilnehmer erhalten die Berechtigung zur selbstständigen Ausübung der Psychotherapie. Seit dem 1. Februar dieses Jahres besuchen insgesamt 14 Teilnehmer den Kurs. Sie müssen 23. 000 Schilling pro Semester bezahlen. Es gibt keine Möglichkeit, sich die Kosten über ein Stipendium zu finanzieren.
Der nächste Lehrgang soll frühestens nach zwei Jahren beginnen. Die Teilnehmer müssen das 24. Lebensjahr vollendet und das psychotherapeutische Propädeutikum erfolgreich abgeschlossen haben. Die Vergabe der Ausbildungsplätze erfolgt auf Grund der Ergebnisse in den Eignungsverfahren, erklärten die Verantwortlichen. Maximal 16 Personen können pro Lehrgang aufgenommen werden. Das Gesundheitsministerium hat die Universität Innsbruck als Ausbildungseinrichtung anerkannt.


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Krankheiten der Seele nehmen zu
Psychische Störungen verursachen ein Viertel aller Frühpensionen.


Kurier, 4.4.2001

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt weltweit zu. "Jeder vierte Mensch ist zumindest einmal in seinem Leben von solchen Krankheiten betroffen. Sie sind für ein Viertel aller Frühpensionen in Österreich verantwortlich", sagt Univ.-Prof. Walter Schöny, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, die Dienstag in Wien gegründet wurde. Ziel der Gesellschaft ist es, internationale Forschungskooperationen zu fördern und Aufklärungsarbeit zu leisten.
"Nicht jeder Patient wird ausreichend behandelt. Viele psychisch Kranke müssen immer noch unter gesellschaftlicher Diskriminierung leiden", so Schöny. Davon seinen meist auch die Angehörigen betroffen. In Österreich ist die Versorgung der Patienten noch nicht optimal. "Sie ist am Land deutlich schlechter als im städtischen Bereich", sagt Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck. Er fordert daher eine Dezentralisierung der Behandlungseinrichtungen. Die Ursache für den Anstieg der seelischen Leiden ist nicht eindeutig geklärt:
"Am besten dokumentiert ist die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung. Depressionen treten im Alter viel häufiger auf", sagt Univ.-Prof. Wolfgang Fleischhacker, Vorstand der psychiatrischen Uniklinik Innsbruck. Da heute psychische Krankheiten viel besser diagnostiziert werden können, könnte der Anstieg nur ein scheinbarer sein, vermutet die Wiener Psychotherapeutin Univ.-Prof. Marianne Springer-Kremser. Gleichzeitig räumt sie aber auch ein, dass "das Leben einfach nicht leichter geworden ist". Ganz im Zeichen der Enttabuisierung von psychischen Krankheiten steht auch der WHO-Weltgesundheitstag am 7. April.


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Therapie nach Plan
Gratis Psychotherapie: Nur für schwer Kranke

Kurier, Ausgabe Bgld., 6.2.2001

Psychotherapie auf Krankenschein bieten ab sofort die Sozialversicherungsträger im Burgenland an. Nach neunmonatiger Verhandlung mit dem Institut für Psychotherapie konnte die Leistung von bisher 140 Stunden auf 200 ausgeweitet werden. Aber Achtung! Nicht jeder bekommt die Gratisbehandlung. Sie ist für schwere Fälle gedacht. Seite 8

Gratis Psychotherapie: Nur für schwer Kranke
Therapeutengremium entscheidet je nach Fall



Psychotherapie auf Krankenschein bieten ab sofort die Sozialversicherungsträger im Burgenland an. Nach neunmonatiger Verhandlung mit dem Institut für Psychotherapie konnte die Leistung von bisher 140 Stunden auf 200 ausgeweitet werden.
Aber Achtung! Nicht jeder bekommt die Gratisbehandlung. Sie ist gedacht für wirklich schwere Fälle: Menschen, die erhebliche neurotische Störungen oder organische und nichtorganische Psychosen aufweisen, psychosomatisch Erkrankte und bei Suchtkrankheiten. Keinesfalls als "Krankenbehandlung" gilt die Therapie bei Erziehungs, Familien-, Partnerschafts-, Sozial- und Sexualproblemen.

Um ganz sicher zu gehen, sollten die Patienten ein Erstgespräch mit einem Vertreter des Instituts für Psychotherapie im ländlichen Raum suchen, und zwar unter der Hotline Tel.: 0818 / 00 12 77. Hier kann man anonym Erkundigungen einholen. Erstgespräche bieten auch die Dienststellen der Burgenländischen Gebietskrankenkasse in Eisenstadt, Neusiedl am See und Oberwart an, wo man gleich Terminvereinbarungen treffen kann. Ein Gremium aus Psychotherapeuten entscheidet dann, ob die Gratisbehandlung durchgeführt werden soll oder nicht.

Bis zu zehn Sitzungen können ohne Bewilligung durch den Krankenversicherungsträger durchgeführt werden. Vor der 11. Behandlung ist die Bewilligung durch den Chef- beziehungsweise Kontrollarzt einzuholen.

Stunden aufgestockt

Die 200 Stunden werden nicht starr auf die drei Gebiete aufgeteilt, wenn eine Region weniger benötigt, werden die Stunden umgeschichtet, erklärte der Obmann des Instituts für Psychotherapie im ländlichen Raum, Hofrat Heinrich Wedral. Anspruchsberechtigt sind alle im Burgenland wohnhaften Personen sowie Personen, die zwar nicht im Burgenland wohnhaft sind, aber bei einem burgenländischen Sozialversicherungsträger versichert sind. Darüber hinaus haben auch Personen Anspruch darauf, die auf Grund zwischenstaatlicher Verträge betreut werden, erklärte der burgenländische Gebietskrankenkassendirektor Alfred Szenkuröck.

Gabriele Mentzel


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Psychotherapie: Konflikt um Regelung in Wien
Psychotherapeuten gegen geplanten Vertrag

Kurier 3.8.2000

Heftige Kritik löst ein Vertragsentwurf der Wiener Gebietskrankenkasse für die psychotherapeutische Versorgung der Bundeshauptstadt aus. "Die geplante Regelung unterwandert das bestehende Psychotherapiegesetz", so Johannes Rudnik vom Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP). Die Wiener Regelung sieht vor, dass sich Patienten, die kostenfreie Psychotherapie in Anspruch nehmen wollen, einem Psychotest unterziehen müssen. Er kann auch von Psychologen vorgenommen werden, die über keinerlei psychotherapeutische Fachkenntnisse verfügen. Damit werde für den ohnehin schwer belasteten Kranken eine zusätzliche unnötige Barriere aufgebaut, so Rudnik. Heikle medizinische Patientendaten werden von der Krankenkasse verwaltet. "Dadurch kommt es zu einer Verletzung der Schweigepflicht. Für den Patienten kann es zu Problemen mit dem Arbeitgeber kommen", betont Rudnik. Auch eine Einsparung der Administrationskosten werde durch die Regelung nicht erreicht. Als Alternative weist der ÖBVP auf ein Modell hin, das seit sieben Jahren erfolgreich in Tirol besteht. Dabei garantieren die Psychotherapeuten Qualität und soziale Treffsicherheit. Bei der Diagnose wird das psychosoziale Funktionsniveau des Patienten berücksichtigt. Statt einem Wirrwarr unterschiedlicher Modelle auf Landesebene strebt der ÖBVP eine bundesweite Lösung an. "Für eine effektive psychotherapeutische Betreuung fehlt auch die Infrastruktur, die ein soziales Auffangnetz für die Patienten sicherstellt", so Dr. Margret Aull vom ÖBVP.


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"Psychotherapie auf Krankenschein" - Abschied und Neubeginn
Gastkommentar von Dr. Richard Picker

Kurier 21.04.2000

Die journalistische Ethik verbietet es eigentlich einem Kommentator, in eigener Sache aufzutreten.
Anderes aber gilt, wenn im öffentlichen Interesse darauf hinzuweisen ist, daß die seit Jahren geforderte "Pychotherapie auf Krankenschein" weggekippt werden könnte: Am 25. April werden die Kassen endgültig über "ihren" Vertrag, den die Therapeuten bereits unterschrieben haben, entscheiden .
"Wieso erst jetzt?" fragen Patienten. Hatte nicht Präsident Salmutter "Therapie auf Krankenschein" schon lange verkündet?
Die Antwort: Seit 8 Jahren wird verhandelt, die Kassen haben ihren Vertrag mit allen Mitteln durchgeboxt ... jetzt ist niemand mit dem Ergebnis wirklich zufrieden: Weder die Kassen, - ( es gibt bereits gute Modelle in Tirol und Vorarlberg), noch die Psychotherapeuten (sie wurden gnadenlos zu einem ruinösen Abschluß gedrängt, der ihren Berufsstand fast zerbröselt hat ); und auch nicht die Patienten: Kurzfristig kann man ihnen den Vertrag als Erfolg verkaufen, kann es auch gut für sie sein, den Krankenschein einfach hinlegen zu können um "kostenlos" Therapie zu bekommen. Aber längerfristig ist von flächendeckender Versorgung auf dieser Basis keine Rede . Wo Psychotherapie draufsteht, sollte doch auch Psychotherapie drinnen sein. Unverdächtige Expertisen( zB Dr.Barazon, Prof.Badelt u.a.) zweifeln daran. Jetzt drohen zu guterletzt alle Beteiligten einander mit Klagen......Da stimmt etwas grundlegend nicht!
Wenn die fertige Speise nicht schmeckt, empfiehlt es sich, die Köche auzuwechseln. Würde das genügen?
Wohl kaum.
Es sind in den 8 Jahren der Verhandlungen Europa weit große Umwälzungen im gesellschaftlichen Bereich geschehen. Niemand weiß mehr genau zu sagen, wohin die Reise geht. Die Verhandlungsteams sind alt geworden. Ihre Denkschemata auch. Dieser Vertrag folgt nochmals alten Vorstellungen: Krankenschein ohne Selbstbehalt, bürokratische Kontrollen in gewohnter Weise. Das steigert das Kassendefizit. ( Obwohl Psychotherapie bislang nur lächerliche 1% des Kassenbudgets beansprucht hat!).
Wie kann es nun weitergehen?
Falls am 25. April der ausverhandelte Vertrag realisiert wird, gibt es ab 5. Oktober Psychotherapie auf Krankenschein.
Immerhin!
Zwei Jahre später aber werden rund 2000 (der 5000) staatlich zugelassenen PsychotherapeutenInnen ihren Beruf verloren haben. Die anderen ersticken dann in der Kontrollbürokratie .
Wenn der Vertrag aber nicht realisiert wird, dann wird es beim "Zuschußsystem" bleiben.
Besser als nichts!
Auf jeden Fall aber gibt es als Zuwage eine Chance für das Gesundheitswesen. Es braucht eine Neufassung. Denn Menschen erkranken auch an zu raschen Umstellungen und diese Gesellschaft ist absolut nicht mehr dieselbe wie zu Kreiskys Zeiten. Deshalb muß die Psychotherapie möglichst viel freie Hand haben, um flexible, soziale Formen zu entwickeln! Einiges ist schon im Gange: Zum Beispiel: Mediation, Selbsthilfegruppen et cetera.
Und überall ist auch eine homöopathische Dosis Therapie drinnen. Ein Abschied und ein Neubeginn ist also am 25. April möglich. Praktikable, schlanke Vorschläge dazu gibt es. Man muß es nur politisch wollen.


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Ab heuer Psychotherapie auf Krankenschein
415 Kassenstellen / Patienten können Therapeuten direkt aufsuchen

Kurier 15.02.2000

Ab 1. Juli dieses Jahres (2000, Anm.) könnte es soweit sein: Patienten suchen einen Psychotherapeuten auf, geben ihren Krankenschein ab und können eine Therapie beginnen.
In der ersten Phase wird es 415 Therapeuten bundesweit geben, die eine Therapie auf Krankenschein anbieten (in Wien sind es 150). "Sollte sich zeigen, dass der Bedarf höher ist, ist eine Ausweitung durchaus vorstellbar", sagt Alfred Pritz, Präsident des Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP). Die Kassen-Therapeuten erhalten 650 S brutto für eine 50-minütige Sitzung. Diese Regelung gilt für die 18 gesetzlich anerkannten Therapieformen.
Der Zugang zur Therapie ist einfach: "Menschen, die glauben, eine Therapie zu benötigen, können sich direkt an den Therapeuten wenden", sagt Pritz. Das heißt, sie brauchen keine Überweisung eines praktischen Arztes, wie das bei Fachärzten nötig ist. Allerdings sind die Patienten verpflichtet, vor der zweiten Therapiesitzung einen praktischen Arzt zu konsultieren, um eventuelle organische Ursachen für ein Leiden auszuschließen. "Das wird in vielen Fällen ein reiner Formalakt sein", so Pritz.
Die Dauer der Therapie auf Krankenschein wird sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild richten. Allerdings muss der Patient ein Zwischenansuchen stellen, mit einer Begründung, warum die Therapie fortgesetzt wird. "Das geschieht aber in enger Zusammenarbeit mit dem Therapeuten", sagt Traudl Szyszkowitz, Vizepräsidentin des ÖBVP. "So werden die Verlängerungsanträge gemeinsam ausgefüllt."
Psychotherapeuten ohne Kassenvertrag werden, sofern sie die Kriterien des Hauptverbandes erfüllen, Wahltherapeuten sein. Deren Honorargestaltung ist frei. "Unsere Empfehlung liegt zwischen 700 und 1200 Schilling für 50 Minuten", so Pritz. Die Krankenkassen zahlen in diesem Fall 520 S, den Rest muss der Patient aus eigener Tasche begleichen.


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Therapeuten wollen von den Kassen mehr Geld
Psychotherapie auf Krankenschein muß warten

Kurier 11.12.99

Die österreichischen Psychotherapeuten wollen von den Krankenkassen mehr Geld. In weiteren Verhandlungen zum Thema "Therapie auf Krankenschein" soll eine Erhöhung des Honorarsatzes von den angebotenen 650 S (47,23 Euro) auf 800 S (58,13 Euro) pro Therapiestunde gefordert werden. Außerdem wollen die Therapeuten Erleichterungen bei jenen umstrittenen Qualifikationen, die von den Kassen zusätzlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Therapie-Ausbildung verlangt werden.
Der Honorarsatz von 800 S liege an der unteren Grenze der üblichen Preise, hieß es in einer Aussendung des Bundesverbandes für Psychotherapie.
Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger herrscht erwartungsgemäß keine Freude über die Ablehnung des bisherigen Vertragsentwurfes und die neuen Forderungen. Am Montag soll die weitere Vorgangsweise in den seit Jahren laufenden Verhandlungen besprochen werden.


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Keine Einigung über Kassenvertrag

Kurier, 30.11.99

Psychotherapeuten fordern, dass zumindest über Details weiterverhandelt wird


Österreichs Therapeuten haben sich bei einer Bundesversammlung des Verbandes für Psychotherapie (ÖBVP) für ein "jein" zur vorgeschlagenen Vertragslösung mit den Krankenkassen ausgesprochen. Grundsätzlich wurde der von ÖBVP-Präsident Alfred Pritz ausgehandelte Vertragsentwurf angenommen, in Detailfragen sollte allerdings weiterverhandelt werden. Pritz sieht das Abstimmungsergebnis als Erfolg. Lediglich eine kleine Minderheit innerhalb des Verbandes versuche noch, den Vertrag schlechtzumachen.

Das sieht man bei der "Arbeitsgemeinschaft Qualifizierte Alternative" (AQA) anders. Die Gruppe, die nach eigenen Angaben etwa 600 Therapeuten repräsentiert, bezeichnet den Vertragsentwurf als "rechts- und sittenwidrig". Konkret geht es um die Kriterien, nach denen Therapeuten einen Kassenvertrag erhalten sollen. Dazu soll unter anderem nachgewiesene Arbeitszeit (bis zu einem Jahr) in einer "Einrichtung des Gesundheitswesens" gehören. Nicht alle ausgebildeten und zugelassenen Psychotherapeuten können diese Praxis nachweisen.

Strittig ist aber, wie viele der Verbandsmitglieder die Kriterien erfüllen würden. Pritz: "80 Prozent der Therapeuten und Therapeutinnen werden es auf Anhieb schaffen." Dagegen Madeleine Wessely von der AQA: "Bis zu zwei Drittel werden auf der Strecke bleiben."

Pritz zur AQA und ihrer Bedeutung: "Eine Initiative, die ungefähr 12 Prozent der Verbandsmitglieder repräsentiert." Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger beginnt unterdessen offen zu drohen. Dazu Generaldirektorstellvertreter Josef Probst: "Wir werden die Verhandlungen mit den Therapeuten weiterführen, werden aber auch gleichzeitig mit allen Institutionen reden, die ebenfalls die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung übernehmen könnten. Diese Institutionen würden dann ausgebildete Therapeuten anstellen."

R.B.


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Tirol als Vorzeigeland:
Psychotherapie-Kassenvertrags-Modell klappt

Kurier, 29.11.1999

SP-Landtagsklubobmann Walter Guggenberger unterstützt den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) in dessen Anliegen, beim vorgeschlagenen Modell für Psychotherapie auf Krankenschein noch Nachbesserungen zu erreichen. Gleichzeitig sprach sich Guggenberger am Samstag dafür aus, das "Tiroler Modell" als Vorbild zu nehmen. In Tirol entscheide ein Expertengremium für die Gebietskrankenkasse, ob eine Therapie von der Sozialversicherung bezahlt werden solle. Der bisherige Entwurf für den Kassenvertrag ist für Guggenberger "nicht gerade das Gelbe vom Ei". Die darin verlangten Zusatzanforderungen für Therapeuten seien praxisfern und würden die psychotherapeutische Versorgung verschlechtern. In Tirol könnten die Therapeuten der Gebietskrankenkasse hingegen für jeden Einzelfall einen Behandlungsplan vorlegen, über den dann von einem Gremium aus Psychiatern und Psychotherapeuten entschieden werde. In vier von fünf Fällen gebe es einen positiven Bescheid.


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Psychotherapie: Weitere Verhandlungen mit Kassen
Vorerst gibt es keine Therapie auf Krankenschein

Kurier, 28.11.1999

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) hat dem vorgeschlagenen Modell für Psychotherapie auf Krankenschein nicht zugestimmt. Laut ÖBVP-Präsident Alfred Pritz ist bei der Diskussion über den ausverhandelten Kassenvertrag am Freitagabend in Salzburg die Verhandlungslinie bestätigt worden. Allerdings habe es auf Grund noch zu klärender Detailfragen keine abschließende Entscheidung gegeben. "Die Gruppe, die eine völlige Neuverhandlung wollte, hat sich nicht durchgesetzt", betonte Pritz. Für den 20. Jänner sei die Abstimmung über die endgültige Ratifizierung vorgesehen. Bis dahin wolle man einige Punkte des Entwurfes mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger noch einmal erörtern. Aus der Sicht des Bundesverbandes könnte sich der Termin 1. April für Psychotherapie auf Krankenschein ausgehen. Als Punkte, die man noch in weiteren Gesprächen klären will, nannte der ÖBVP-Präsident Zusatzqualifikationen wie Spitalspraxis, die von den Kassen als Voraussetzung für einen Kassenvertrag verlangt werden.


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Psychotherapie schon ab Jänner auf Krankenschein?
In Salzburg stimmten die Therapeuten über die Annahme eines Vertrags mit den Kassen ab
Reno Barth

Kurier 27.11.1999

Mit Spannung wurde das Ergebnis einer Sitzung des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie erwartet, bei der am Freitagabend über die Annahme oder Ablehnung des mit den Krankenkassen ausverhandelten Vertragsentwurfes abgestimmt werden sollte. Bis Redaktionsschluss lag aber noch kein Ergebnis vor.
Sollte sich für den Entwurf eine Zwei-Drittel-Mehrheit finden, so wird es ab Anfang des nächsten Jahres in Österreich Psychotherapie auf Krankenschein geben. Ob diese Mehrheit gefunden wird, ist allerdings fraglich. Denn glücklich sind die Therapeuten mit den Bedingungen, unter denen die Kassen Psychotherapie zahlen wollen, keineswegs. Und dabei geht es ausnahmsweise nicht ums Geld. Denn die angebotenen 650 S pro Therapiestunde sind nicht der Stein des Anstoßes. Was viele der Therapeuten auf die Palme bringt, sind die zusätzlichen Qualifikationen, die die Kassen von ihnen fordern. "Wir haben in Österreich ein strenges Psychotherapiegesetz, das genau regelt, wer nach welcher Ausbildung als Therapeut arbeiten darf", kritisiert Psychotherapeut Richard Picker. "Diese Ausbildung dauert Jahre und muss vom angehenden Therapeuten selbst bezahlt werden. Es ist nicht einzusehen, warum die Sozialversicherungsträger jetzt plötzlich eine Ausbildung verlangen, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinausgeht." Ein Ärgernis unter vielen: Ein 14-tägiges Praktikum auf einer psychiatrischen Station. Picker, der seit Jahren Therapeuten ausbildet: "Damit ich einen Kassenvertrag bekomme, müsste ich jetzt zwei Wochen hinter einem Psychiater herlaufen, der womöglich bei mir gelernt hat." Eine wesentlich ernstere Hürde dürfte aber das eine Praxisjahr sein, das Psychotherapeuten, so sie einen Kassenvertrag wollen, innerhalb eines Krankenhauses oder einer ähnlichen Institution absolvieren müssen. Solche Stellen sind rar. Picker: "Das bedeutet, dass die Jungen praktisch keine Chance auf einen Vertrag haben."
Dennoch rechnet Alfred Pritz, Vorsitzender des Therapeuten-Verbandes und federführend bei den Verhandlungen mit den Kassen, mit einem "Ja" bei der Abstimmung. Eine Mehrheit hätte sich bereits dafür ausgesprochen und die erforderlichen zwei Drittel der Stimmen wären, so Pritz, durchaus erreichbar. Ab Jänner würde es dann 415 Kassenund mehr als 1500 Wahltherapeuten geben.


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Die sieben Todsünden der Krankenkassen
Gastkommentar von Dr. Richard Picker

Kurier, 24.11.99

Zur Erinnerung: Österreich hat ein noch funktionierendes Sozialsystem. Aber die 28 Kassen sind ein Staat im Staat. Sie haben ein gewaltiges Budget und steuern mit diesen Geldströmen die gesamte Gesundheitspolitik: Medikamente, ärztliche Leistungen, Spitalswesen, psychologische und psychotherapeutische Hilfe . . . nichts geht wirklich ohne sie.

Kassen-Präsidenten waren meist Multifunktionäre, viele kommen aus den Gewerkschaften. Folge: Es sitzen immer dieselben Funktionäre weit weg von den Patienten in zahlreichen "Gremien". Dadurch entsteht eine eigene Gruppenatmosphäre, die (trotz Rechtmäßigkeit und guten Willens) immer ruinöser wirkt. Wir nennen sie Kassen-Mentalität.

Das spüren vor allem Hausärzte und Therapeuten, die nicht so sehr Medizinmaschinen, sondern Zeit für ihre Patienten benötigen. "Wir haben kein Geld für Worte!", sagt die Kassenmentalität. So spricht der mutige Präsident des Hausärzteverbandes Dr. Euler im Internet von 1.) "unzähligen Zeichen der Geringschätzung, 2.) von der Entsolidarisierung der Berufsgruppe, 3.) von Drohungen, 4.) Ängsten, 5.) ruiniertem Selbstvertrauen, 6.) Resignation und 7.) Zynismus. Das sind 7 Todsünden infolge dieser Kassenmentalität! Sie ruinieren vieles. Wenn schon ein "Reformbedarf" festgestellt wird, wie Ärztekammerpräsident Dr. Pjeta sagt, so muss man dieses Mentalitätsproblem endlich ins Auge fassen. Die Geschädigten sind vor allem Patienten, aber auch Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegepersonal etc.

Man muss sich verdeutlichen, was es bedeutet, wenn aus den helfenden Berufen rivalisierende werden, wenn Selbstvertrauen ruiniert wird und kühle Sachlichkeit heilende menschliche Wärme ablöst. "Ihnen tut was weh? Aber geh, plausch' nicht! Mir tut auch was weh . . . Der Nächste bitte!" "Es wird Ihrem Mann bald besser gehen, Frau Maier! Leider muss ich jetzt die Maschinen abschalten, denn um 22.00 übernimmt die Nachtschicht . . ."

Nach Meinung des Hausärzte-Präsidenten sind das Folgen der "Geringschätzigkeit" der Kassen anderen Heilberufen gegenüber. Sie wurzelt in einem stark verhaberten "Wir-sind-wir"-Gefühl ... Die Folge ist ein zerstörerisches Unverständnis für Heil-Vorgänge, das auch durch Schulungen nicht ausgeglichen werden kann. Das sind Hinweise. Verhandlungsteams bestätigen sie. So auch das der Psychotherapeuten, die Therapie auf Krankenschein vereinbaren wollen. Jahrelang bekam es keinen Termin zu Gesprächen. Dann herrschte der "Stil einer stalinistischen Organisation" (wie ein besonnener Primarius sagte). Und zu guter Letzt gab es beinahe unter Erpressung einen Vertragsentwurf, der einer mittelfristigen Zerstörung der Psychotherapie gleichkommt. Politiker trösteten beim Heurigen vor der Wahl: "Wir wissen, dass der Vertragsentwurf für die Therapie schlecht ist, aber wir können den Kassen nichts befehlen!" Dann ging die Wahl verloren.

Anders sagt es der Hausärztepräsident: "Bleiben sie frei! Wenn der erste von ihnen auf sein, "sicheres Kasseneinkommen" einen Kredit genommen hat, beginnt die irreversible Talfahrt!" Will heißen: Der Würgegriff bürokratischer Zwänge verdirbt die Heilverfahren. Es wird gefährlich inhuman . . .

Parteien sondieren derzeit heftig. Falls sie wieder zu regieren beginnen, sollten sie vor allem einmal die von den Kassen aufgebaute "Störzone der Geringschätzung" gründlich durchmischen! Zugunsten einer wirklich humanen Gesundheitspolitik.


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