Wie unschwer vorstellbar ist, beinhaltet das Zurechtfinden in einem psychiatrischen
Krankenhaus ( wie an jeder anderen Arbeitsstelle auch) eine gewisse Zeit. Die Arbeitsabläufe
müssen dem Praktikanten erst vertraut gemacht werden. Wer soll dies aber tun
?
Es gibt eigentlich niemand, der dafür vorgesehen ist. Es heißt ja nur,
die Praktikumseinrichtung muß über eingetragene Psychotherapeuten verfügen.
Nehme ich an meiner Abteilung, am Institut oder in meiner Praxis einen Praktikanten
auf, bin ich für seine Arbeit verantwortlich ( sprich: ich muß sie laufend
supervidieren, für Fragen dasein usw...)
Selbst wenn man davon ausgeht, daß bereits eine gute psychotherapeutische
Ausbildung besteht, hat meine Erfahrung gezeigt, dass der Umgang mit psychisch schwer
erkrankten Menschen für viele Therapeuten eine völlige Neuorientierung
darstellt, hinzu kommt, daß manche Ausbildungsmethode für z.B. schizophrene
Patienten nicht geeignet ist.
Dies ist auch in 2 Monaten nicht wirklich "erlernbar". ( Wozu gäbe
es dann den Psychiater?)
Ich weiß, daß ich mich mit so einer Aussage bei den Psychotherapiekollegen
nicht beliebt machen werde, dies ist aber eine Erfahrung, die ich immer wieder mache.
Das Dilemma liegt meiner Meinung auch darin, dass Psychotherapeut zwar jetzt
ein eigenständiger Beruf ist, aber neben einem anderen Beruf erlernt wird.
(Keine Bezahlung während des Praktikums - Einkommensentgang in dieser Zeit
etc.).
Auch für den Praktikumsplatz-Anbietenden stellt es eine Mehrarbeit dar, die
er nicht honoriert bekommt. Das Argument, dafür einen unentgeltlich arbeitenden
Kollegen zu haben, kann nur eingeschränkt gelten, weil in 2 Monaten (siehe
oben) Eingewöhnung und Umstellung dies nicht wirklich zu tragen kommt.
Zur Frage, ob es überhaupt genug Praktikumsplätze gibt, lautet die
Antwort schlicht : nein.
Ich habe sogar schon Anfragen aus Deutschland bezüglich Praktikumsplätze.
Dort entsteht bereits ein ähnliches Problem.
Persönlich glaube ich nicht, daß man im Nachhinein Zusatzqualifikationen
fordern kann. Wichtig wäre es, dies in Hinkunft in der Ausbildung zu berücksichtigen.
Eine Lösung des Problems könnte ich auch darin sehen, daß angehende
Psychotherapeuten mehr auf das Erkennen von schweren psychischen Erkrankungen geschult
werden und sie dann gezielt weiterverweisen können an die Kollegen, die langjährige
klinisch psychiatrische Erfahrung haben.
Mit freundlichen Grüßen
Ingrid Leuteritz