Briefe des Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie
an Bundesministerin Hostasch und Bundesministerin Prammer

Tiroler Landesverband für Psychotherapie
Leopoldstraße 38, PF 200, 6020 Innsbruck

Tel. und. Fax 0512/ 56 17 34
Emailadresse: tlp.psychotherapie@tirol.com

An das Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales
Frau Bundesministerin Eleonora Hostasch

Stubenring 1
1010 Wien
99-10-14
Sehr geehrte Frau Bundesministerin!

In größter Besorgnis über das Ergebnis der Kassenverhandlungen zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVST) und dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP), erlauben wir uns als Landesgruppe, uns erneut an Sie zu wenden. Bereits am 17.5.1999 haben wir unsere Sorge ausgedrückt und auch Ihre geschätzte Rückäußerung erhalten (GZ: 21.115/9-5/99 Dr. Porsch).

Unter Hinweis auf die Aussagen von Prof. Badelt (Kommentar, Standard 17.9.99 " Wie psychische Kranke zur Kasse gebeten werden". - Die Einigung über "Psychotherapie - eine Fehlkalkulation."), möchten wir nunmehr auch auf die zukünftige Verschlechterung der Versorgung psychisch Kranker aufmerksam machen. Ein "Kahlschlag " der Psychotherapeuten ist durch die über das Psychotherapiegesetz hinausgehenden (!) zusätzlich geforderten "Behandlungserfahrungen" zu befürchten. Zweidrittel der Psychotherapeuten werden schätzungsweise österreichweit diese Zusatzkriterien bei Vertragsabschluß und auch ein Jahr danach nicht erfüllen, d.h. deren Patienten müssen sich künftig die Kosten für die psychotherapeutische Krankenbehandlung zur Gänze selbst bezahlen. Die kann wohl nicht im Sinne der erhobenen Daten und Schlußfolgerungen Ihrer in Auftrag gegebenen ÖBIG Studie, 1997 (Ambulante Psychotherapeutische Versorgung in Österreich) sein.

Der Tiroler Landesverband für Psychotherapie (TLP) hat in einer Landesversammlung am 29.9.99 eine Befragung hinsichtlich Erfüllung der geforderten Zusatzkriterien (besondere Erfahrung in der Krankenbehandlung) durchgeführt. Weiters wurde auch ein Stimmungsbild hinsichtlich des Wunsches über Annahme oder Ablehnung des vorliegenden Gesamtvertrages durch die Bundeskonferenz des ÖBVP erhoben. An dieser TLP-Landesversammlung nahmen 123 TLP-Mitglieder teil. Darüber hinaus gaben 61 Mitglieder mit Zusendung per Post ihre Meinung zum Kassenvertragsentwurf bekannt. (Mitgliederzahl des TLP: 288)

Unsere Mitglieder in Tirol wurden dazu beispielhaft vorinformiert. Jedem TLP-Mitglied wurde bereits Mitte September ein Exemplar des Vertragsentwurfes von uns zugesandt, weiters standen sämtliche Aussendungen seitens des ÖBVP-Kassenverhandlungsteams und des ÖBVP-Präsidiums zur Verfügung, ebenfalls auch sämtliche Stellungnahmen zum Vertragsentwurf namhafter Kollegen sowie Aussagen und Kommentare dazu u.a. Prof. Badelt, Prof. Firlei und Prof. Barazon.

In der Beilage erlauben wir uns, das Befragungsergebnis bekanntzugeben. Von den abgegebenen Fragebögen erfüllen derzeit also ca. 2/3 die Zusatzkriterien (nach Variante A,B,C) nicht.
Wir glauben, daß dies in Hinblick auf die zukünftige Psychotherapeutische Versorgung nicht nur in Tirol größte Besorgnis erregen muß.

Wir glauben nämlich, daß in den anderen Bundesländern bei genauer und seriöser Erhebung sehr wohl ähnliche Ergebnisse zu erwarten sind. Insbesondere möchten wir noch darauf hinweisen, daß in Tirol ein Modus der hohen Qualitätssicherung gefunden werden konnte und seit 1994 praktiziert wird, der durch das sogenannte "Tiroler Modell" (Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung Tirols - Ges. f. P.V.T.") gewährleistet wird. Diese Qualitätssicherung beruht nicht auf den Selektionskriterien lt. Gesamtvertrag (Variante A,B,C), sondern auf einer umfangreichen Antragstellung (DSM IV-Diagnostik) und Evaluation an die Gutachterkommission der Ges. f. P.V.T. und auf einer Begrenzung der wöchentliche Behandlungskapazität von Patienten mit schwerer und schwersten krankheitswertigen Störungen. Die Vertragspartner sind die TGKK und die BVA.

Wir denken, daß gerade diese bewährte Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Psychotherapeuten und der TGKK dazu führte, daß die TGKK dem neuen Gesamtvertrag ablehnend gegenüber steht und in vielen Punkten eine Verschlechterung in der Versorgung sieht und Administrationshürden- und -kosten, befürchtet.

Wir im Vorstand des TLP und die Mehrheit unserer Mitglieder sehen uns mit unzumutbaren Forderungen und Vertragsinhalten konfrontiert, eine Einigung sehen wir deshalb aufs Spiel gesetzt.

Wenn es, wie der Hauptverband verlauten ließ, keinen dritten Vertragsentwurf geben wird, so muß es dringende Bestrebungen geben, den jetzigen Vertragsentwurf zu revidieren.

Verehrte Frau Bundesminister, wir bitten um Kenntnisnahme und entsprechende Veranlassung im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und Ihres Auftrags (die "Autonomie" des HVST ist uns durchaus bewußt).

Mit bestem Dank für Ihre Bemühungen verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung

Tiroler Landesverband für Psychotherapie

Karin Vokoun-Tremba
Mag. Gabriele Guggenberger-Frötscher
Brigitte Ostermann
Gertraud Mayr
Bettina Baumgartner
Mag. Dr. Leopold Bittermann

Beilage:
TLP-Befragungsergebnis



Tiroler Landesverband für Psychotherapie
Leopoldstraße 38, PF 200, 6020 Innsbruck

Tel. und. Fax 0512/ 56 17 34
Emailadresse: tlp.psychotherapie@tirol.com

An das
Bundesministerium für Frauenangelegenheiten
Frau BM Mag. Barbara Prammer

Ballhausplatz 1
1014 Wien

99-10-12
Sehr geehrte Frau Bundesministerin!

In größter Besorgnis über das Ergebnis der Kassenverhandlungen zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVST) und dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP), erlauben wir uns als Landesgruppe, uns an Sie zu wenden.

Dieses Verhandlungsergebnis diskriminiert gezielt die Frauen in der Berufsgruppe, die gerade in unserer Berufsgruppe sehr stark repräsentiert sind. Durch die ausverhandelten Zusatzkriterien werden gezielt gerade Frauen aus dem Kreis der künftig zur Krankenbehandlung im Sozialversicherungssystem Zugelassen hinausdiskriminiert. Die sachlich durch nichts gerechtfertigte Bestimmung auf Vollzeitbeschäftigung bei den "Qualifikationskriterien" und ähnlich gelagerte Vertragsbestimmungen und -konstruktionen betrifft vor allem Psychotherapeutinnen.. Unhaltbar ist dies gerade in Zeiten, wo alle gesellschaftlichen und politischen Kräfte nicht umhin können, sich den Forderungen der Frauenbewegung nach Beendigung derartiger Diskriminierung zu stellen.

Dieses Verhandlungsergebnis selektiert viele Gruppen unter den Psychotherapeut/Innen aus dem Sozialversicherungssystem hinaus, die für die Psychotherapeutische Versorgung sozial schwächerer Patientengruppen (dies trifft wiederum mehr auf Frauen und sozial schwache Familien zu) besonders wichtig wäre.

Unter Hinweis auf die Aussage von Prof. Badelt (Kommentar, Standard 17.9.99 "Wie psychisch Kranke zur Kasse gebeten werden". Die Einigung über "Psychotherapie - eine Fehlkalkulation"), möchten wir nunmehr auch auf die zukünftige Verschlechterung der Versorgung psychisch Kranker aufmerksam machen. Ein "Kahlschlag" der PsychotherapeutInnen ist durch die über das Psychotherapiegesetz hinausgehenden (!) zusätzlich geforderten "Behandlungserfahrungen" zu befürchten. Zweidrittel der PsychotherapeutInnen werden schätzungsweise österreichweit diese Zusatzkriterien bei Vertragsabschluß und auch ein Jahr danach nicht erfüllen, d.h. deren Patienten müssen sich künftig die Kosten für die psychotherapeutische Krankenbehandlung zur Gänze selbst bezahlen. Dies kann wohl nicht im Sinne der erhobenen Daten und Schlußfolgerungen der ÖBIG-Studie, 1997 (Ambulante Psychotherapeutische Versorgung in Österreich) sein.

Der Tiroler Landesverband für Psychotherapie (TLP) hat in einer Landesversammlung am 29.9.99 eine Befragung hinsichtlich Erfüllung der geforderten Zusatzkriterien (besondere Erfahrung in der Krankenbehandlung) durchgeführt. Weiters wurde auch ein Stimmungsbild hinsichtlich des Wunsches über Annahme oder Ablehnung des vorliegenden Gesamtvertrages durch die Bundeskonferenz des ÖBVP erhoben. An dieser TLP-Landesversammlung nahmen 123 TLP-Mitglieder teil. Darüber hinaus gaben 61 Mitglieder mit Zusendung per Post ihre Meinung zum Kassenvertragsentwurf bekannt. (Mitgliederzahl des TLP: 288)

Unsere Mitglieder in Tirol wurden dazu beispielhaft vorinformiert. Jedem TLP-Mitglied wurde bereits Mitte September ein Exemplar des Vertragsentwurfes von uns zugesandt, weiters standen sämtliche Aussendungen seitens des ÖBVP-Kassenverhandlungsteams und des ÖBVP-Präsidiums zur Verfügung, ebenfalls auch sämtliche Stellungnahmen zum Vertragsentwurf namhafter Kollegen sowie Aussagen und Kommentare dazu u.a. Prof. Badelt, Prof. Firlei und Prof. Barazon.

In der Beilage erlauben wir uns, das Befragungsergebnis bekanntzugeben. Von den abgegebenen Fragebögen erfüllen derzeit also ca. 2/3 die Zusatzkriterien (nach Variante A,B,C) nicht. Die gesonderte Trennung in weibliche und männlich Berufskollegen ist aufgrund der anonymen Fragebogenerhebung nicht möglich.

Wir glauben nämlich, daß in den anderen Bundesländern bei genauer und seriöser Erhebung sehr wohl ähnliche Ergebnisse zu erwarten sind. Insbesondere möchten wir noch darauf hinweisen, daß in Tirol ein Modus der hohen Qualitätssicherung gefunden werden konnte und seit 1994 praktiziert wird, der durch das sogenannte "Tiroler Modell" (Gesellschaft für Psychotherapeutische Versorgung Tirols - Ges. f. P.V.T.") gewährleistet wird. Diese Qualitätssicherung beruht nicht auf den Selektionskriterien lt. Gesamtvertrag (Variante A,B,C), sondern auf einer umfangreichen Antragstellung (DSM IV-Diagnostik) und Evaluation an die Gutachterkommission der Ges. f. P.V.T. und auf einer Begrenzung der wöchentliche Behandlungskapazität von Patienten mit schwerer und schwersten krankheitswertigen Störungen. Die Vertragspartner sind die TGKK und die BVA.

Wir denken, daß gerade diese bewährte Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Psychotherapeuten und der TGKK dazu führte, daß die TGKK dem neuen Gesamtvertrag ablehnend gegenüber steht und in vielen Punkten eine Verschlechterung in der Versorgung sieht und Administrationshürden- und -kosten, befürchtet.

Wir im Vorstand des TLP (fünf weibliche Berufsvertreterinnen und ein männlicher Kollege ) und die Mehrheit unserer Mitglieder sehen uns mit unzumutbaren Forderungen und Vertragsinhalten konfrontiert, eine Einigung sehen wir deshalb aufs Spiel gesetzt.

Wenn es, wie der Hauptverband verlauten ließ, keinen dritten Vertragsentwurf geben wird, so muß es dringende Bestrebungen geben, den jetzigen Vertragsentwurf zu revidieren.

Verehrte Frau Bundesminister, wir bitten um Kenntnisnahme und entsprechende Veranlassung im Rahmen Ihrer Möglichkeiten. Wir haben unsere Sorge auch an die Frau Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Frau Eleonora Hostasch gerichtet.

Mit besten Dank für Ihre Bemühungen verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung

Tiroler Landesverband für Psychotherapie

Karin Vokoun-Tremba
Mag. Gabriele Guggenberger-Frötscher
Brigitte Ostermann
Gertraud Mayr
Mag. Bettina Baumgartner
Mag. Dr. Leopold Bittermann


Zurück zum aktuellen Meldungsstand

Zurück zur Übersicht "Psychotherapie auf Krankenschein"

ZUR HOMEPAGE DER ÖAGP