Dr.med. Joachim STRAUSS
Arzt für Allgemeinmedizin / Psychotherapeut / Diplom für Psychotherapeutische
Medizin
Referent der Tiroler Ärztekammer
A-6464 Tarrenz
Psychotherapiepraxis: Obere Wiese 18, Tel. 05412/68780
Tarrenz, 13.10.99
An die Vorsitzende des
Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie
Frau Karin Vokoun-Tremba
Leopoldstraße 38, PF 200, 6020 Innsbruck
Betrifft: Kassenvertrag für psychotherapeutische Leistungen zwischen
ÖBVP und HST
Sehr geehrte Frau Karin Vokoun-Tremba!
Ich wende mich an Sie nach Durchsicht des Vertragsvorschlages zwischen ÖBVP
und HST. Wir haben in unserer letzten Sitzung der Ärztlichen Gesellschaft für
Psychotherapie und psychosomatische Medizin in Tirol diesen Vertrag diskutiert.
Die Kommission hat mich beauftragt, folgende Rückmeldung an Sie zu geben. Wir
sind der Ansicht, daß der Vertragsvorschlag zwischen dem ÖBVP und HST
viele Mängel aufweist, die bei genauer Einsicht in den Vertrag diesen disqualifizieren.
Als Beispiele können gelten:
1. Die vollkommen unzureichende Regelung der psychotherapeutischen Schweigepflicht.
2. Die nahezu sittenwidrige Regelung für Urlaub (max. 5 Wochen mit 1 Woche
Fortbildung unter Stellung eines Vertreters innerhalb der Praxis).
3. Der inhaltliche Umgang mit schweren und schwersten Erkrankungen.
4. Das in dieser Hinsicht veraltete, weil nicht auf DSM IV aufbauende Diagnoseschema
5. Die mangelnde Honorierung von 650 ATS
Beim einstimmigen Beschluß dieser Rückmeldung haben mitgewirkt:
Prof. Dr. G. Schüßler; Prof. Dr. W. Wesiack; Prof. Dr. K. Loewit, Prof.
Dr. W. Söllner, Prof. Dr. B. Mangold, Dr. J. Strauß, Prof. Dr. W. Biebl,
Prof. Dr. H. Kinzl, Dr. G. Crombach, Dr. B. Wurm, Dr. M. Harrer.
Es gibt noch mehrere Einwände gegen dieses Vertragswerk. Sollte der TLP diesen
Vertragsentwurf ablehnen, hat die Tiroler ÄG großes Verständnis
für einen derartigen Schritt, der unserer Ansicht nach nicht zu einer Verbesserung
der psychotherapeutischen Versorgung beiträgt, sondern die qualifizierte Behandlung
sogar in manchen Aspekten gefährden könnte.
Mit freundlichen Grüßen!
Dr. J. Strauß