Stellungnahmen und Diskussionsbeiträge
zu den Wahlen im ÖBVP


letztes Update: 21.04.2000
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Dr. Richard Picker, Wien, 31.3.2000

Lieber Harald, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen!

Mich quälen immer wieder Nachgedanken zu den WLP - Wahlen. Hier sind sie:

Seit einigen Jahren schon bemühen wir uns, dem neuen Berufsstand "Psychotherapeut - In " eine Organisation zu verpassen. Es gelingt einfach nicht. Das rund 8-jährige Bemühen zeigt überdeutlich, daß es 3 Gruppen unter uns gibt:

1) Die im ÖBVP mitarbeitenden Pritzisten,
2) die im selben ÖBVP ohnmächtig ausharrenden Antipritzisten und
3) diejenigen, die dabei von außen als Trittbrettfahrer zusehen , ob wohl der ÖBVP sie mitzuvertreten hat. Das blockiert uns alle immer mehr.

Zum Beispiel:

Als Alfred Pritz überfallsartig abgewählt wurde, gelang das mit ganz wenigen Stimmen, als er wiedereingesetzt wurde, ebenso nur mit wenigen Stimmen. Als der Vertragsentwurf im Dezember endlich abgestimmt wurde, gelang das mit +2 Stimmen (contra), ebenso gelang die Wiederabstimmung (pro) mit ganz wenigen Stimmen. Die Buko-Resolution hatte auch keine "satte Mehrheit", ihre Rücknahme ist außerhalb der Ordnung - ein Wunder zugunsten der Pritzianer sozusagen - die WLP Abstimmung hängt wiederum an 2 Stimmen ,die Jutta Fiegl fehlten, die der Wahlleiter vergaß, die die Versammlung (angeblich) nachzureichen gestattete, was die Wahlkommission wiederum verbot, was zur Abwahl von Jutta Fiegl führte und Egon Urban zum WLP-Präsidenten machte.

Fazit: Ein unendlicher langer ÖBVP-Prozessions-Wurm kriecht die 8 Jahre dahin, ohne ein eindeutiges Ziel haben zu können: Pritzianer wollten das Gesetz und - koste es was es wolle - den Vertrag. Eine "Machtwelle" scheint sie zu tragen, eine emotional - verschworene Therapeutencrew surft obendrauf Richtung "politischer Erfolg!"...und dergleichen Magnetpunkten.

2) Antipritzianer wollen auch das Gesetz und auch den Vertrag, aber mit Demokratie, mit Machtkontrolle, mit mehr Frauenpower statt Männerbündlerei und nicht um jeden Preis...
Weil das alles nicht unter einen Hut geht, schlängelt sich der ÖBVP- Wurm und beißt sich unversehens in den Schwanz: "Besser ein ganz schlechter Vertrag als gar keiner!" das heißt: "Besser die Phantasie von 'einem Fuß drinnen in der Kasse' als beide draußen im freien politischen Feld" bei einer besseren Vertragssuche .... Also: Keine Macht - Surferei um jeden Preis..

Der ÖBVP Prozessionswurm hat einen grotesken Zustand erreicht: Das ÖBVP - Präsidium stimmte unter Druck einem Vertragsentwurf zu, der rund der Hälfte seiner Mitglieder die Kassenvergütung wegnimmt und deren Arbeitsplätze minimiert .... Das heißt dann Interessenvertretung.? Wozu sollen die Hinausgeschmissenen 4000.- im Jahr zahlen? Wozu dann WLP?ÖBVP? Was sollen die Parolen von "Integration" und "Nicht spalten" heißen? (Deshalb schlängelt sich ja der Wurm!)

Ach ja! Ein Einfall hilft ihm immer: Da ist ja Appell an das schlechte Gewissen "wegen der Patienten, die auf den Krankenschein warten"....besonders "die Psychotiker und die Suchtkranken!" (Jeder Praktiker kennt sich aus.)
Vorsicht, lieber ÖBVP - Wurm! Sicher ist das ein wesentliches Thema, wäre da nicht ein "Wurm im Wurm!"
Jeder und jede von uns weiß, was eine verdeckte Tagesordnung ist: Hätte man wirklich etwas zugunsten von Patienten gewollt, dann hätte man die ABC - Restriktionen glatt streichen können, sich die immensenen bürkratischen Kosten für Kontrolle und Verwaltung ersparen und dafür die 5000 TherapeutenInnen arbeiten lassen können. Das wäre ohne Wettbewerbsverzerrung am ehesten auch flächendeckend gewesen ..... Also ist dieses Patienten-Argument eine "hidden agenda" wie sie im Lehrbuch steht ... (Der Wurm wird weiter schlängeln müssen...)

Er könnte fragen: "Warum nochmals der Rückgriff auf längst Ausdiskutiertes?"
Antwort: Weil es niemals zu einer wirklich gründlichen und sachgerechten Diskussion zwischen Basis und Spitze gekommen ist: In Wien wurde zum Beispiel von Jutta Fiegl oftmals stundenlang informiert, bis die Versammlungszeit so ziemlich verbraucht war. "Anfragen nur zur Eintragung" fraßen die restlichen Minuten. "Schluß der Debatte" besorgte das Ende. Das unglaubliche seltsame Geschäftsordnungsritual des ÖBVP unterstütze alle taktischen Winkelzüge optimal. Daß wir keine bessere GO samt Wahlmodus zuwegegebracht haben, muß doch einen Grund haben! Daß jede Sitzung mit Erschöpfung aller Teilnehmenden endete, daß im Gegensatz dazu zB die Sitzungen zum 1. und 2. Weltkongreß erheblich konstruktiver abliefen, das muß doch jeder und jedem zu denken geben ... Der Grund könnte im Bauch des Wurmes zu finden sein: Vielleicht hat er alle Konflikte geschluckt, oder auch zu verwinkelten Geschäftsordnungen verschi..., statt sie anzusehen und anzusprechen...

Der ÖBVP-Wurm kreist demgemäß ratlos um sich selbst und beginnt sich in den Schwanz zu beißen: Es droht eine Klageflut aller Instanzen gegen alle: Die "Plattform Rechtshilfe" muß es deswegen geben, weil das Präsidium die Hälfte seines Verbandes verraten hat (Ich weiß schon, daß das ein sehr hartes Wort ist!). Aber: Man wird doch wenigstens für sein berufliches Überleben juridisch kämpfen dürfen. Daß aber der Hauptverband dem ÖBVP untersagen will, seine Mitglieder dabei zu unterstützen, ist auch nicht ohne Bedeutung. Daß schon längst eine längere Liste von wesentlichen Vergehen gegen die Geschäftsordnung von seiten des Päsidiums mit der Folge von unrechtmäßigen Unterschriften vorliegt, ist bekannt. Daß man auch das klagen könnte, ebenso. Wo wird da ein Ende sein? Wird es genügend Gerichte geben, um alle wechselseitigen Vorwürfe ausjudizieren zu können?

Fazit des Fazits: Die Kassen streiten untereinander und mit dem Hauptverband über den Vertragsentwurf. Genauso wie der ÖBVP. Der Wurm beginnt sich von hinten aufzufressen. Hoffentlich merkt er es auch!
Vorerst gibt es einen gewaltigen Verdauungsvorgang: Die Pritzisten treten in den ÖBVP ein und die Hinausgeschmissenen samt den Antipritzisten werden den ÖBVP verlassen.

Hat irgendjemand eine Idee,wie das gut werden könnte? "Integration" ist sicher nicht dadurch erreichbar, daß man gegnerische Protagonisten in ein Präsidium hineinzwingt. Auch nicht durch Freundlichkeit im Umgang mit nachfolgendem Bedauern über den unvermeidlichen Hinausschmiß derjenigen, die zufälligerweise nicht unter ABC fallen.

Und was wird man denn den AusbildungskandidatenInnen sagen, die unter ganz anderen Umständen mit viel Geld begonnen haben und jetzt vor der Frage stehen, wie sie zu Patienten kommen werden? (An dieser Stelle würde ein charaktervoller Wurm sich vollends verkriechen oder gar sterben, als weiter zuzuwarten, bis auch der und die letzte ÖBVPlerIn draufkommt, was ein derartiger Vertrag in der Phase der Umsetzung mit sich bringen wird..... )

Also: Dieser Vertragsentwurf ist derart mißlungen, daß weder die Kassen, noch die Politiker, noch wir PsychotherapeutenInnen damit wirklich leben können. Das müssen wir endlich einmal zugeben, um zu gar keiner oder einer viel besseren Lösung zu finden. Es gibt mehrere brauchbare Vorschläge. (Von dem Gerhard Stemberger's angefangen....)

Meiner ist:
Was wäre, wenn man die ganze Materie mit einer knappen zeitlichen Vorgabe einem kleinen Team zur Neuformulierung übergeben würde. Man würde an eine positive Erfahrung anknüpfen ...
Beim legendären Psychotherapiegesetzentwurf hat dieses Vorgehen zum Erfolg geführt. Das war die große Zeit des Alfred Pritz samt MitarbeiternInnen. Allerdings gab es damals auch noch nicht die spätere Machtdynamik zu bestehen. Und kein Gewürm schlängelte sich trickreich von Buko zu Buko, von Wahl zu Neuwahl zu Umwahl zu Zurechtwahl!

Ich kann den Vertrag drehen und bedenken, aus welcher Ecke immer ich will: Was bleibt, ist nur eine neue politische Lösung, die aus dem Debakel die Lehre zieht.
Sollte ich mich irren, so übergeht das, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen. Wenn aber an diesen Sätzen etwa dran ist, so bitte macht etwas draus und wartet nicht zu, bis wir alle zerbröselt sind, alle Chancen verspielt sind .

Richard Picker.


Dr. Karl-Heinz Brückner, 1.4.2000

Lieber Richard ! Liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen!

Der Prozessionswurm ist ein in sich zerrissener. So wie Du es beschrieben hast: Ein Teil ist mit Macht und persönlichen ehrgeizigen Zielen beschäftigt, der andere Teil möchte eine an der Sache orientierte Lösung. Der eine Teil kämpft mit Energie und unter Ausnutzung aller Macht und Tricks um die Verwirklichung seiner Ziele. Der andere Teil hat bis jetzt nicht gekämpft, weil an Sachlösungen interessiert, weil keine persönlichen Ziele damit verbunden sind . So entsteht jene Kreisbewegung , bei der sich der Wurm im Kreis dreht und sich in den Schwanz beißt - dh. nichts geht mehr - als in eine Richtung und dafür ist jedes Mittel recht.

Die alte Geschichte in vielen Vereinen und Standesvertretungen und Kammern und je größer der Apparat, desto größer die Trägheit (s. Ärztekammer). Manchmal gibt es kleine Vereine , wo die Sachinteressen im Vordergrund sind und wo Großes bewegt werden kann.

R.P.: Was wäre, wenn man die ganze Materie mit einer knappen zeitlichen Vorgabe einem kleinen Team zur Neuformulierung übergeben würde. Man würde an eine positive Erfahrung anknüpfen...
Beim legendären Psychotherapiegesetzentwurf hat dieses Vorgehen zum Erfolg geführt. Das war die große Zeit des Alfred Pritz samt MitarbeiternInnen. Allerdings gab es damals auch noch nicht die spätere Machtdynamik zu bestehen.

Damals gab es ein vorwiegend einheitliches Ziel , damals wurde von vielen Seiten ein geschicktes Lobbying gemacht und hat zum Erfolg geführt.
Wie mies die Vertragsentwürfe sind , hat sich schon im ersten Entwurf aus dem Jahr 92 oder 93 gezeigt - und die Klausel steht noch immer im Vertrag: 300.000. - ATS Pönalezahlung bei vorzeitigem Ausscheiden. Wie mies muß dieser Vertrag sein , daß Strafandrohungen notwendig sind , um ein vorzeitiges Aussteigen zu verhindern. Und daran hat sich nichts geändert.

Jedenfalls freue ich mich , daß es eine neue oppositionelle Gruppierung (AQA) gibt, die besonnene und sachorientierte Opposition betreibt. Ich wünsche mir, daß diese Bewegung zunimmt und breite Unterstützung erfährt, zB. auch Unterstützung bei der kommenden Präsidiumswahl des ÖBVP im Mai . Sollte es nicht gelingen, diese Gruppe mit einer Mehrheit im ÖBVP zu verankern, so werde ich jedenfalls aus dem ÖBVP (dem ich von der ersten Stunde an angehöre) auszutreten. Ich bin nicht bereit, ein "Regime" weiter finanziell zu unterstützen, das sich einen Dreck um die Meinung der Mitglieder schert. Vielleicht können wir AQA als neue Kraft unterstützen , wenn nötig auch außerhalb des ÖBVP. Ich habe nicht mehr Lust, in einem Verein aktiv meine Energie für Interessen einzubringen - das habe ich lange genug gemacht. Aber ich kann mir vorstellen , daß ich aus dem Hintergrung unterstützend mithelfe, Informationen zu vermitteln, weiterzugeben - im Sinne eines Lobbyings für die Sache. Das könnten doch viele tun - unser Wissen und unsere Sachkompetenz verwenden und weitertragen.
Und wenn nötig, Konflikte auch ansprechen und austragen, wenn nötig auch öffentlich. Vielleicht gelingt es uns, den Ringelwurm wieder in eine propulsive Richtung zu bringen, sodaß wieder eine lebendige Bewegung daraus entsteht.

Jedenfalls müssen wir raus aus der Pattstellung der Pritzisten und Antipritzianer - und die Trittbrettfahrer sollten aus ihrem Schlaf erwachen ( "man wird ja noch Wünsche oder Träume haben dürfen!") .

R.P.: Ich kann den Vertrag drehen und bedenken, aus welcher Ecke immer ich will: Was bleibt, ist nur eine neue politische Lösung, die aus dem Debakel die Lehre zieht.
Sollte ich mich irren, so übergeht das, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen.
Wenn aber an diesen Sätzen etwa dran ist, so bitte macht etwas draus und wartet nicht zu, bis wir alle zerbröselt sind, alle Chancen verspielt sind .

Diesem Satz kann ich nur zustimmen und wünsche uns allen, trotz Konflikten zu einem achtsamen Miteinander zurückzufinden, gerade in einer Zeit, wo allenthalben Achtsamkeit und Dialog abhanden kommen und Ausgrenzungen an der Tagesordnung sind.

Als Arzt hatte ich vor vielen Jahren gehofft, in einer Standesvertretung der Psychotherapeuten ein themen- und sachorientiertes Miteinander zu finden, gerade nachdem das Psychotherapiegesetz gelungen war. Als Psychotherapeut bin ich enttäuscht, es ist noch schlimmer als in der Ärztekammer.
Die Hoffnung ist mir leider abhanden gekommen.

Karl-Heinz BRÜCKNER


Dr. Richard Picker, Wien, 1.4.2000

2. Wahlbrief :

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Internet!

Die Antwort von Karl-Heinz Brückner (Danke) und ein nachdenklicher Gang durch die Wiener Innenstadt bei Sonne und vielen fröhlichen Menschen machte mir klar, daß wichtige Punkte im Brief 1 fehlten:
A) Was heißt "Integration im ÖBVP?"

Meinen wir

1) Das Präsidium tut sowieso ,was es will (Büro/Geld/Informationsvorsprung) und wems nicht paßt, der soll sich brausen?
Das wäre ein schlechter Umgang mit dem Potential einer Opposition.(Siehe Schindlers Rangdynamik konkret.) Ergebnis: Spaltung, Unterdrückung.

oder 2) Beschwichtigen statt Ernst - nehmen. Ergebnis: Mit Charme und Wendigkeit lenkt man den emotionalen Strom der Gruppierung von den kontroversen Punkten weg, sodaß nur die Regel: "Dabeibleiben ist alles!" zu gelten scheint.Das ist aber leider ganz unabhängig von der Sinnhaftigkeit des Zusammenschlusses. Desintegration ist die Folge.

oder meinen wir 3) Opposition um jeden Preis! "Wir wollen doch sehen ob es nicht möglich ist, den Alfred Pritz zu stürzen!" Natürlich ist das möglich, aber deswegen ist der ÖBVP nicht in sich integrierter.

Oder soll es 4) heißen: Wir anerkennen die Interessen aller Gruppierungen im ÖBVP wechselseitig unter der Bedingung, daß eine Gruppierung niemals für sich alleine sich durchzusetzen versucht. Abstimmungen müßten dann einen Konsens suchen, Das Überstimmen mit hauchdünner Mehrheit ist natürlich weit weg davon.

Wenn ich von 4) ausgehe, so liegt der Grundfehler des Verhandlungsteams darin, den Gang der Verhandlungen der Geheimhaltung unterworfen zu haben. Dadurch war eine rechtzeitige Korrektur aus dem ÖBVP heraus kaum möglich.
Das Präsidium hätte sich nicht auf die Seite der Vertragsbefürworter schlagen dürfen und letzten Endes der treibende Motor sein dürfen. Es hätte die Einheit des Verbandes ÖBVP repräsentieren müssen, also über der Kontroverse stehen sollen, statt mit sämtlichen Tricks der Macht zu spielen.
Man kann am Beispiel W. Schüssel sehen, wie ein unglaublich kluges und trickreiches politisches Spiel aus einem Wahlverlust zum Bundeskanzler führt. Er hat alle "überdrippelt" sozusagen. Jetzt steht er aber vor der vereinigten Ablehnungsfront Europas und muß die Präsidentschaftskanzlei durch die Hintertüre verlassen - was noch kein österreichischer Bundeskanzler vor ihm mußte. Ich sage das nicht aus Häme, sondern um auf die Wucht der Machtdynamik hinzuweisen, die man austricksen kann, bis sie zurückschlägt.

Wenn wir wirklich im ÖBVP zusammenbleiben wollen, dann stellt sich die Frage, was diejenigen vom Interessenverband ÖBVP bekommen sollen, die zugunsten des Vertrages ihre Arbeitsmöglichkeit als Kassen/WahltherapeutIn verloren haben? Bekommen die den Mitgliedsbeitrag zurück? Oder was wird das Präsidium tun? Verlieren sie mit der ÖBVP Mitgliedschaft im Falle ihres Austrittes auch alle anderen Dekrete(EAP etc) alle Versicherungen? Informations und Kontaktmöglichkeiten? "Ausgesteuert" und ein Tritt in den Polpo sozusagen? Es könnte sich um rund 1ooo ÖBVP Mitglieder handeln (was man erst in 2 Jahren in vollem Ausmaß sehen wird).Hat sich das jemand der Befürworter überlegt? Sah da jemand weiter, als 5 m im Umkreis?
Es wäre auch möglich, das Pritzisten und Antipritzisten in Frieden auseinandergehen. Dann aber müßte das Büro und die Kasse etc fair geteilt werden ... Dann ginge es um eine beginnende Koexistenz von 2 Gruppen, die einfach miteinander nicht mehr in einer Interessenvertretung leben können.

B: Diese Überlegungen müßten alle - auch die AusbildungskandidatenInnen - ganz konkret anstellen - um möglichst bald zu einer ruhigen und klaren Situation für alle zu finden.
Denn: Wir können nicht unsere therapeutische Arbeit anbieten,wenn wir keinen ruhigen Hintergrund haben, der unsere Identität stützt und die Therapie in ihrer Qualität sichert.
Ohne diese Ausgangslage kann man zwar einige Zeit lang irgendwie arbeiten - besonders die ersten Jahre - aber wer länger als 5 Jahre zu arbeiten gedenkt, muß wissen, daß die Arbeit sehr anstrengend ist, daß es am besten wäre, sie neben einer fixen Halbtagsanstellung dazu zu tun, daß man rund 1000.- für die Stunde bekommen muß, um Krankenstände, Ferien etc finanzieren zu können. Diejenigen, die das Glück haben, einen gesicherten und gut situierten Partner(in) an ihrer Seite zu haben, sollten niemals die anderen vergessen, die das nicht haben . Diejenigen,die keine Kinder haben, sollten sehen, wieviele alleinerziehende Mütter und manchmal auch schon Väter sich um die Ausbildung bewerben, wieviele Therapeutenfamilien Kleinklinder haben....das alles bedarf eines finanziellen und zeitmäßigen Hintergrundes.
Mit einer "Hire and fire!" Ideologie ("Kapitalgesellschaften") läßt sich therapeutische Arbeit nicht tun. Ebensowenig mit dem Versuch: " Herunter mit den Honoraren auf 0 - 250.- bis 500.- für jedermann/frau!"
Wer dieses deshalb mit Minimalentschädigungen gar noch "flächendeckend "zu organisieren verspricht, sagt etwas zu, was so nicht einhaltbar ist. Auch nicht durch den Hauptverband. (Pflegeskandale in Spitälern und Heimen haben bekanntlich oft den Grund, daß man wegen zeitlicher und finanzieller Minimalausstattung solange herumgezaubert hat, bis zuletzt die Pflege eingestellt wurde.)

Ich schlage also vor, die "Resolution" nicht zurückzunehmen, weil das ja rechtlich gar nicht möglich ist, dafür lieber mit ausführlichen Informationen in der politischen Öffentlichkeit eine knappe und billigere Lösung einzuleiten.(Brief 1 etc etc) Es ist nicht wahr, daß die Opposition zu diesem Vertrag keine alternativen Perspektiven vorbereitet hatte...
Ich schlage nochmals vor, daß das bisherige Präsidium samt Kassenteam von sich aus zurücktritt. (Neue Gesichter...) Ich weiß,daß dieses die ganze ÖBVP Sache anders herum sieht und interpretiert. Ich bin aber sicher, daß die persönliche Erfahrung samt Vernunft von allen TherapeutenInnen zwischen bloßen Interpretationen und Lebensrealitäten zu unterscheiden vermag.

Dieser Text steht allen zwecks Benützung gerne zur Verfügung.

Mit nochmaligen Grüßen!
Richard Picker.


Ines Glinig, Graz: Antwort an Richard Picker (6.4.00)

Lieber Herr Richard Picker!

Danke für Ihre Worte, ich kann Ihnen nur zustimmen.
Mir hat es ja mit Annahme des Vertrages die Sprache verschlagen, das war ein Zuviel an Unglaublichkeiten.
Gratisarbeit zu leisten, in einem ethisch nicht vertretbaren Setting und alles für ABC- Anerkennung, eine Berufsgruppenvertretung, die eigene machtpolitische Interessen vertritt.
NEIN, Danke!
Mir fällt ja keine vergleichbare Berufsgruppe ein, die derart masochistisch agiert.
Als Ausbildungkandidatin bin ich jetzt (ohne Vertrag) schon entsetzt über die viele Gratisarbeit, die für Praktika im Fachspezifikum, ja schon im Propädeutikum geleistet wird (Krankenanstalten rechnen ja jetzt schon mit einem fixen Kontingent an GratishacklerInnen, die in ihren Urlauben arbeiten).
Und die vielen Gratis- oder Billigsttherapiestunden, die PsychotherapeutInnen in Ausbildung anbieten, weil es jetzt schon schwierig ist, KlientInnen zu "kriegen" ohne Kassenzuschuß.
Mit Vertrag: Ein Psychotherapiegruselkabinett, auf vielen Ebenen.
Als tiefenpsychologisch Geschulte denke ich oft an Übertragung und Gegenübertragung beim Setting KlientIn geht zu 3.(ohne Vertrag) oder 4.(AusbildungskandidatIn)-klassigen (minderwertigere?) TherapeutInnen und kriegt dort Therapie zu Dumping-Preisen.
Oder KlientIn kann drauflos-agieren mit Krankenscheintherapie, weil TherapeutIn 1.Klasse(?) höchstwahrscheinlich sehr abhängig ist vom regelmäßigen Erscheinen ihrer KlientInnen, da sie ja eventuell von den Krankenscheinabrechnungen leben muß.
Neben der ethischen Selbstvernichtung des Berufsstandes auch Themen für Gewerkschaft (Gratisarbeit) und Kosumentenschutz.
Ich merke, aus mir sprudelt schon wieder viel Zynismus , drum hör ich jetzt wieder auf mit dem Schreiben.
Gibt es noch die Möglichkeiten einer politischen Lösung?
Ist demokratiepolitisches Denken und Handeln überhaupt gefragt in der Berufsgruppe der TherapeutInnen?
Wird aus dem persönlichem Hick-Hack ein politischer Diskurs?
Kann gehofft werden, daß die allgemeine Politisierung durch die Regierungssituation auch auf die Berufspolitik der PsychotherapeutInnen Auswirkungen zeigt?
Hier in Graz nehme ich ja eher (zum Glück nicht bei allen KollegInnen) die Strategien wahr :
"Besser ein schlechter, als kein Vertrag" (warum versteh ich bis heute nicht) und "Da kann man halt nichts machen" und die Überlegungen "Wie werd ich bloß ABC erfüllen können?".
Da tun e-mails wie die Ihren gut und beleben müde Kampfgeister.

Mit "wurmstichigen" Grüßen,
Ines Glinig


Offener Brief von Karin Türl an Elisabeth Sprinz, 16.4.00

Von: Karin Türl <karin.tuerl@vpn.at>
Datum: Samstag, 15. April 2000 20:56
Betreff: Offener Brief an Frau Dr. Sprinz

Sehr geehrte Frau Dr. Sprinz!

Ich habe heute den Weg zum Hearing der KandidatInnen für die Präsidiumswahl 2000 auf mich genommen, um mir ein Bild von jenen Personen zu machen, die ich da eingeladen bin, als meine Vertreter zu wählen.
Aus privaten Gründen konnte ich nicht den ganzen Tag anwesend sein, doch das, was ich sah und hörte machte mich betroffen:

Durch Ihren Umgang mit der Redezeit ließen Sie dem zwar spärlich vertretenen, aber interessierten "Publikum" nicht einmal die Möglichkeit, Fragen an Sie zu stellen. Noch dazu, wo Sie als einzige der KadidatInnen persönliche Stellungnahmen völlig vermissen ließen und sich statt dessen in Inhalten und Rechtfertigungen verloren.

Sollte das eine Kostprobe Ihrer hinkünftigen Umgangsweise mit zahlenden Mitgliedern des ÖBVP gewesen sein?
Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass allein nach Ihrer Rede eine Dynamik im Saal entstand, die Ausdruck von Ärger und Enttäuschung waren. So wie viele andere fühlte auch ich mich völllig übergangen!
Haben Sie es nicht mehr nötig, in einen Dialog mit der Basis zu treten?
Im Gegensatz zu Ihnen haben sich alle anderen KandidatInnen frei und offen einer Auseinandersetzung mit den Anwesenden gestellt. Die Personen um Frau Dr. Margret Aull (denen ich bisher durchaus kritisch gegenüber stand) waren nicht nur sehr gut vorbereitet, sie haben gezeigt, dass sie nicht nur aus "der Opposition heraus agieren", sondern den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen.
Die Spaltung der Berufsgruppe ist bedauerlicherweise bedenklich fortgeschritten, sodass wir an der Spitze dringend integre Persönlichkeiten brauchen, die den Dialog zu fördern vermögen! Einem Team muss man vertrauen können, denn es kann nicht jede berufspolitische Entscheidung mit mehr als 5000 Mitgliedern abgehandelt werden. Vertrauen braucht aber Offenheit, Ehrlichkeit und eine möglichst breite Information, die Austausch zulässt!

Schade, dass sich davon nicht mehr Berufskollegen selbst ein Bild machen konnten!

Mit freundlichem Gruß!

Karin Türl
Psychotherapeutin
4020 Linz


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