Lieber Harald, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen!
Mich quälen immer wieder Nachgedanken zu den WLP - Wahlen. Hier sind sie:
Seit einigen Jahren schon bemühen wir uns, dem neuen Berufsstand "Psychotherapeut
- In " eine Organisation zu verpassen. Es gelingt einfach nicht. Das rund 8-jährige
Bemühen zeigt überdeutlich, daß es 3 Gruppen unter uns gibt:
1) Die im ÖBVP mitarbeitenden Pritzisten,
2) die im selben ÖBVP ohnmächtig ausharrenden Antipritzisten und
3) diejenigen, die dabei von außen als Trittbrettfahrer zusehen , ob wohl
der ÖBVP sie mitzuvertreten hat. Das blockiert uns alle immer mehr.
Zum Beispiel:
Als Alfred Pritz überfallsartig abgewählt wurde, gelang das mit ganz wenigen
Stimmen, als er wiedereingesetzt wurde, ebenso nur mit wenigen Stimmen. Als der
Vertragsentwurf im Dezember endlich abgestimmt wurde, gelang das mit +2 Stimmen
(contra), ebenso gelang die Wiederabstimmung (pro) mit ganz wenigen Stimmen. Die
Buko-Resolution hatte auch keine "satte Mehrheit",
ihre Rücknahme ist außerhalb der Ordnung - ein Wunder zugunsten der Pritzianer
sozusagen - die WLP Abstimmung hängt wiederum an 2 Stimmen ,die Jutta Fiegl
fehlten, die der Wahlleiter vergaß, die die Versammlung (angeblich) nachzureichen
gestattete, was die Wahlkommission wiederum verbot, was zur Abwahl von Jutta Fiegl
führte und Egon Urban zum WLP-Präsidenten machte.
Fazit: Ein unendlicher langer ÖBVP-Prozessions-Wurm kriecht die 8 Jahre dahin,
ohne ein eindeutiges Ziel haben zu können: Pritzianer wollten das Gesetz und
- koste es was es wolle - den Vertrag. Eine "Machtwelle" scheint sie zu
tragen, eine emotional - verschworene Therapeutencrew surft obendrauf Richtung "politischer
Erfolg!"...und dergleichen Magnetpunkten.
2) Antipritzianer wollen auch das Gesetz und auch den Vertrag, aber mit Demokratie,
mit Machtkontrolle, mit mehr Frauenpower statt Männerbündlerei und nicht
um jeden Preis...
Weil das alles nicht unter einen Hut geht, schlängelt sich der ÖBVP- Wurm
und beißt sich unversehens in den Schwanz: "Besser ein ganz schlechter
Vertrag als gar keiner!" das heißt: "Besser die Phantasie von 'einem
Fuß drinnen in der Kasse' als beide draußen im freien politischen Feld"
bei einer besseren Vertragssuche .... Also: Keine Macht - Surferei um jeden Preis..
Der ÖBVP Prozessionswurm hat einen grotesken Zustand erreicht: Das ÖBVP
- Präsidium stimmte unter Druck einem Vertragsentwurf zu, der rund der Hälfte
seiner Mitglieder die Kassenvergütung wegnimmt und deren Arbeitsplätze
minimiert .... Das heißt dann Interessenvertretung.? Wozu sollen die Hinausgeschmissenen
4000.- im Jahr zahlen? Wozu dann WLP?ÖBVP? Was sollen die Parolen von "Integration"
und "Nicht spalten" heißen? (Deshalb schlängelt sich ja der
Wurm!)
Ach ja! Ein Einfall hilft ihm immer: Da ist ja Appell an das schlechte Gewissen
"wegen der Patienten, die auf den Krankenschein warten"....besonders "die
Psychotiker und die Suchtkranken!" (Jeder Praktiker kennt sich aus.)
Vorsicht, lieber ÖBVP - Wurm! Sicher ist das ein wesentliches Thema, wäre
da nicht ein "Wurm im Wurm!"
Jeder und jede von uns weiß, was eine verdeckte Tagesordnung ist: Hätte
man wirklich etwas zugunsten von Patienten gewollt, dann hätte man die ABC
- Restriktionen glatt streichen können, sich die immensenen bürkratischen
Kosten für Kontrolle und Verwaltung ersparen und dafür die 5000 TherapeutenInnen
arbeiten lassen können. Das wäre ohne Wettbewerbsverzerrung am ehesten
auch flächendeckend gewesen ..... Also ist dieses Patienten-Argument eine "hidden
agenda" wie sie im Lehrbuch steht ... (Der Wurm wird weiter schlängeln
müssen...)
Er könnte fragen: "Warum nochmals der Rückgriff auf längst Ausdiskutiertes?"
Antwort: Weil es niemals zu einer wirklich gründlichen und sachgerechten Diskussion
zwischen Basis und Spitze gekommen ist: In Wien wurde zum Beispiel von Jutta Fiegl
oftmals stundenlang informiert, bis die Versammlungszeit so ziemlich verbraucht
war. "Anfragen nur zur Eintragung" fraßen die restlichen Minuten.
"Schluß der Debatte" besorgte das Ende. Das unglaubliche seltsame
Geschäftsordnungsritual des ÖBVP unterstütze alle taktischen Winkelzüge
optimal. Daß wir keine bessere GO samt Wahlmodus zuwegegebracht haben, muß
doch einen Grund haben! Daß jede Sitzung mit Erschöpfung aller Teilnehmenden
endete, daß im Gegensatz dazu zB die Sitzungen zum 1. und 2. Weltkongreß
erheblich konstruktiver abliefen, das muß doch jeder und jedem zu denken geben
... Der Grund könnte im Bauch des Wurmes zu finden sein: Vielleicht hat er
alle Konflikte geschluckt, oder auch zu verwinkelten Geschäftsordnungen verschi...,
statt sie anzusehen und anzusprechen...
Der ÖBVP-Wurm kreist demgemäß ratlos um sich selbst und beginnt
sich in den Schwanz zu beißen: Es droht eine Klageflut aller Instanzen gegen
alle: Die "Plattform Rechtshilfe" muß es deswegen geben, weil das
Präsidium die Hälfte seines Verbandes verraten hat (Ich weiß schon,
daß das ein sehr hartes Wort ist!). Aber: Man wird doch wenigstens für
sein berufliches Überleben juridisch kämpfen dürfen. Daß aber
der Hauptverband dem ÖBVP untersagen will, seine Mitglieder dabei zu unterstützen,
ist auch nicht ohne Bedeutung. Daß schon längst eine längere Liste
von wesentlichen Vergehen gegen die Geschäftsordnung von seiten des Päsidiums
mit der Folge von unrechtmäßigen Unterschriften vorliegt, ist bekannt.
Daß man auch das klagen könnte, ebenso. Wo wird da ein Ende sein? Wird
es genügend Gerichte geben, um alle wechselseitigen Vorwürfe ausjudizieren
zu können?
Fazit des Fazits: Die Kassen streiten untereinander und mit dem Hauptverband über
den Vertragsentwurf. Genauso wie der ÖBVP. Der Wurm beginnt sich von hinten
aufzufressen. Hoffentlich merkt er es auch!
Vorerst gibt es einen gewaltigen Verdauungsvorgang: Die Pritzisten treten in den
ÖBVP ein und die Hinausgeschmissenen samt den Antipritzisten werden den ÖBVP
verlassen.
Hat irgendjemand eine Idee,wie das gut werden könnte? "Integration"
ist sicher nicht dadurch erreichbar, daß man gegnerische Protagonisten in
ein Präsidium hineinzwingt. Auch nicht durch Freundlichkeit im Umgang mit nachfolgendem
Bedauern über den unvermeidlichen Hinausschmiß derjenigen, die zufälligerweise
nicht unter ABC fallen.
Und was wird man denn den AusbildungskandidatenInnen sagen, die unter ganz anderen
Umständen mit viel Geld begonnen haben und jetzt vor der Frage stehen, wie
sie zu Patienten kommen werden? (An dieser Stelle würde ein charaktervoller
Wurm sich vollends verkriechen oder gar sterben, als weiter zuzuwarten, bis auch
der und die letzte ÖBVPlerIn draufkommt, was ein derartiger Vertrag in der
Phase der Umsetzung mit sich bringen wird..... )
Also: Dieser Vertragsentwurf ist derart mißlungen, daß weder die Kassen,
noch die Politiker, noch wir PsychotherapeutenInnen damit wirklich leben können.
Das müssen wir endlich einmal zugeben, um zu gar keiner oder einer viel besseren
Lösung zu finden. Es gibt mehrere brauchbare Vorschläge. (Von dem Gerhard
Stemberger's angefangen....)
Meiner ist:
Was wäre, wenn man die ganze Materie mit einer knappen zeitlichen Vorgabe einem
kleinen Team zur Neuformulierung übergeben würde. Man würde an eine
positive Erfahrung anknüpfen ...
Beim legendären Psychotherapiegesetzentwurf hat dieses Vorgehen zum Erfolg
geführt. Das war die große Zeit des Alfred Pritz samt MitarbeiternInnen.
Allerdings gab es damals auch noch nicht die spätere Machtdynamik zu bestehen.
Und kein Gewürm schlängelte sich trickreich von Buko zu Buko, von Wahl
zu Neuwahl zu Umwahl zu Zurechtwahl!
Ich kann den Vertrag drehen und bedenken, aus welcher Ecke immer ich will: Was bleibt,
ist nur eine neue politische Lösung, die aus dem Debakel die Lehre zieht.
Sollte ich mich irren, so übergeht das, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen.
Wenn aber an diesen Sätzen etwa dran ist, so bitte macht etwas draus und wartet
nicht zu, bis wir alle zerbröselt sind, alle Chancen verspielt sind .
Richard Picker.
Lieber Richard ! Liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen!
Der Prozessionswurm ist ein in sich zerrissener. So wie Du es beschrieben hast:
Ein Teil ist mit Macht und persönlichen ehrgeizigen Zielen beschäftigt,
der andere Teil möchte eine an der Sache orientierte Lösung. Der eine
Teil kämpft mit Energie und unter Ausnutzung aller Macht und Tricks um die
Verwirklichung seiner Ziele. Der andere Teil hat bis jetzt nicht gekämpft,
weil an Sachlösungen interessiert, weil keine persönlichen Ziele damit
verbunden sind . So entsteht jene Kreisbewegung , bei der sich der Wurm im Kreis
dreht und sich in den Schwanz beißt - dh. nichts geht mehr - als in eine Richtung
und dafür ist jedes Mittel recht.
Die alte Geschichte in vielen Vereinen und Standesvertretungen und Kammern und je
größer der Apparat, desto größer die Trägheit (s. Ärztekammer).
Manchmal gibt es kleine Vereine , wo die Sachinteressen im Vordergrund sind und
wo Großes bewegt werden kann.
R.P.: Was wäre, wenn man die ganze Materie mit einer knappen zeitlichen Vorgabe einem kleinen Team zur Neuformulierung übergeben würde. Man würde an eine positive Erfahrung anknüpfen...
Beim legendären Psychotherapiegesetzentwurf hat dieses Vorgehen zum Erfolg geführt. Das war die große Zeit des Alfred Pritz samt MitarbeiternInnen. Allerdings gab es damals auch noch nicht die spätere Machtdynamik zu bestehen.
R.P.: Ich kann den Vertrag drehen und bedenken, aus welcher Ecke immer ich will: Was bleibt, ist nur eine neue politische Lösung, die aus dem Debakel die Lehre zieht.
Sollte ich mich irren, so übergeht das, liebe Internet - Kolleginnen und Kollegen.
Wenn aber an diesen Sätzen etwa dran ist, so bitte macht etwas draus und wartet nicht zu, bis wir alle zerbröselt sind, alle Chancen verspielt sind .
2. Wahlbrief :
Liebe Kolleginnen und Kollegen im Internet!
Die Antwort von Karl-Heinz Brückner (Danke) und ein nachdenklicher Gang durch
die Wiener Innenstadt bei Sonne und vielen fröhlichen Menschen machte mir klar,
daß wichtige Punkte im Brief 1 fehlten:
A) Was heißt "Integration im ÖBVP?"
Meinen wir
1) Das Präsidium tut sowieso ,was es will (Büro/Geld/Informationsvorsprung)
und wems nicht paßt, der soll sich brausen?
Das wäre ein schlechter Umgang mit dem Potential einer Opposition.(Siehe Schindlers
Rangdynamik konkret.) Ergebnis: Spaltung, Unterdrückung.
oder 2) Beschwichtigen statt Ernst - nehmen. Ergebnis: Mit Charme und Wendigkeit
lenkt man den emotionalen Strom der Gruppierung von den kontroversen Punkten weg,
sodaß nur die Regel: "Dabeibleiben ist alles!" zu gelten scheint.Das
ist aber leider ganz unabhängig von der Sinnhaftigkeit des Zusammenschlusses.
Desintegration ist die Folge.
oder meinen wir 3) Opposition um jeden Preis! "Wir wollen doch sehen ob es
nicht möglich ist, den Alfred Pritz zu stürzen!" Natürlich ist
das möglich, aber deswegen ist der ÖBVP nicht in sich integrierter.
Oder soll es 4) heißen: Wir anerkennen die Interessen aller Gruppierungen
im ÖBVP wechselseitig unter der Bedingung, daß eine Gruppierung niemals
für sich alleine sich durchzusetzen versucht. Abstimmungen müßten
dann einen Konsens suchen, Das Überstimmen mit hauchdünner Mehrheit ist
natürlich weit weg davon.
Wenn ich von 4) ausgehe, so liegt der Grundfehler des Verhandlungsteams darin, den
Gang der Verhandlungen der Geheimhaltung unterworfen zu haben. Dadurch war eine
rechtzeitige Korrektur aus dem ÖBVP heraus kaum möglich.
Das Präsidium hätte sich nicht auf die Seite der Vertragsbefürworter
schlagen dürfen und letzten Endes der treibende Motor sein dürfen. Es
hätte die Einheit des Verbandes ÖBVP repräsentieren müssen,
also über der Kontroverse stehen sollen, statt mit sämtlichen Tricks der
Macht zu spielen.
Man kann am Beispiel W. Schüssel sehen, wie ein unglaublich kluges und trickreiches
politisches Spiel aus einem Wahlverlust zum Bundeskanzler führt. Er hat alle
"überdrippelt" sozusagen. Jetzt steht er aber vor der vereinigten
Ablehnungsfront Europas und muß die Präsidentschaftskanzlei durch die
Hintertüre verlassen - was noch kein österreichischer Bundeskanzler vor
ihm mußte. Ich sage das nicht aus Häme, sondern um auf die Wucht der
Machtdynamik hinzuweisen, die man austricksen kann, bis sie zurückschlägt.
Wenn wir wirklich im ÖBVP zusammenbleiben wollen, dann stellt sich die Frage,
was diejenigen vom Interessenverband ÖBVP bekommen sollen, die zugunsten des
Vertrages ihre Arbeitsmöglichkeit als Kassen/WahltherapeutIn verloren haben?
Bekommen die den Mitgliedsbeitrag zurück? Oder was wird das Präsidium
tun? Verlieren sie mit der ÖBVP Mitgliedschaft im Falle ihres Austrittes auch
alle anderen Dekrete(EAP etc) alle Versicherungen? Informations und Kontaktmöglichkeiten?
"Ausgesteuert" und ein Tritt in den Polpo sozusagen? Es könnte sich
um rund 1ooo ÖBVP Mitglieder handeln (was man erst in 2 Jahren in vollem Ausmaß
sehen wird).Hat sich das jemand der Befürworter überlegt? Sah da jemand
weiter, als 5 m im Umkreis?
Es wäre auch möglich, das Pritzisten und Antipritzisten in Frieden auseinandergehen.
Dann aber müßte das Büro und die Kasse etc fair geteilt werden ...
Dann ginge es um eine beginnende Koexistenz von 2 Gruppen, die einfach miteinander
nicht mehr in einer Interessenvertretung leben können.
B: Diese Überlegungen müßten alle - auch die AusbildungskandidatenInnen
- ganz konkret anstellen - um möglichst bald zu einer ruhigen und klaren Situation
für alle zu finden.
Denn: Wir können nicht unsere therapeutische Arbeit anbieten,wenn wir keinen
ruhigen Hintergrund haben, der unsere Identität stützt und die Therapie
in ihrer Qualität sichert.
Ohne diese Ausgangslage kann man zwar einige Zeit lang irgendwie arbeiten - besonders
die ersten Jahre - aber wer länger als 5 Jahre zu arbeiten gedenkt, muß
wissen, daß die Arbeit sehr anstrengend ist, daß es am besten wäre,
sie neben einer fixen Halbtagsanstellung dazu zu tun, daß man rund 1000.-
für die Stunde bekommen muß, um Krankenstände, Ferien etc finanzieren
zu können. Diejenigen, die das Glück haben, einen gesicherten und gut
situierten Partner(in) an ihrer Seite zu haben, sollten niemals die anderen vergessen,
die das nicht haben . Diejenigen,die keine Kinder haben, sollten sehen, wieviele
alleinerziehende Mütter und manchmal auch schon Väter sich um die Ausbildung
bewerben, wieviele Therapeutenfamilien Kleinklinder haben....das alles bedarf eines
finanziellen und zeitmäßigen Hintergrundes.
Mit einer "Hire and fire!" Ideologie ("Kapitalgesellschaften")
läßt sich therapeutische Arbeit nicht tun. Ebensowenig mit dem Versuch:
" Herunter mit den Honoraren auf 0 - 250.- bis 500.- für jedermann/frau!"
Wer dieses deshalb mit Minimalentschädigungen gar noch "flächendeckend
"zu organisieren verspricht, sagt etwas zu, was so nicht einhaltbar ist. Auch
nicht durch den Hauptverband. (Pflegeskandale in Spitälern und Heimen haben
bekanntlich oft den Grund, daß man wegen zeitlicher und finanzieller Minimalausstattung
solange herumgezaubert hat, bis zuletzt die Pflege eingestellt wurde.)
Ich schlage also vor, die "Resolution" nicht zurückzunehmen, weil
das ja rechtlich gar nicht möglich ist, dafür lieber mit ausführlichen
Informationen in der politischen Öffentlichkeit eine knappe und billigere Lösung
einzuleiten.(Brief 1 etc etc) Es ist nicht wahr, daß die Opposition zu diesem
Vertrag keine alternativen Perspektiven vorbereitet hatte...
Ich schlage nochmals vor, daß das bisherige Präsidium samt Kassenteam
von sich aus zurücktritt. (Neue Gesichter...) Ich weiß,daß dieses
die ganze ÖBVP Sache anders herum sieht und interpretiert. Ich bin aber sicher,
daß die persönliche Erfahrung samt Vernunft von allen TherapeutenInnen
zwischen bloßen Interpretationen und Lebensrealitäten zu unterscheiden
vermag.
Dieser Text steht allen zwecks Benützung gerne zur Verfügung.
Mit nochmaligen Grüßen!
Richard Picker.
Lieber Herr Richard Picker!
Danke für Ihre Worte, ich kann Ihnen nur zustimmen.
Mir hat es ja mit Annahme des Vertrages die Sprache verschlagen, das war ein Zuviel
an Unglaublichkeiten.
Gratisarbeit zu leisten, in einem ethisch nicht vertretbaren Setting und alles für
ABC- Anerkennung, eine Berufsgruppenvertretung, die eigene machtpolitische Interessen
vertritt.
NEIN, Danke!
Mir fällt ja keine vergleichbare Berufsgruppe ein, die derart masochistisch
agiert.
Als Ausbildungkandidatin bin ich jetzt (ohne Vertrag) schon entsetzt über die
viele Gratisarbeit, die für Praktika im Fachspezifikum, ja schon im Propädeutikum
geleistet wird (Krankenanstalten rechnen ja jetzt schon mit einem fixen Kontingent
an GratishacklerInnen, die in ihren Urlauben arbeiten).
Und die vielen Gratis- oder Billigsttherapiestunden, die PsychotherapeutInnen in
Ausbildung anbieten, weil es jetzt schon schwierig ist, KlientInnen zu "kriegen"
ohne Kassenzuschuß.
Mit Vertrag: Ein Psychotherapiegruselkabinett, auf vielen Ebenen.
Als tiefenpsychologisch Geschulte denke ich oft an Übertragung und Gegenübertragung
beim Setting KlientIn geht zu 3.(ohne Vertrag) oder 4.(AusbildungskandidatIn)-klassigen
(minderwertigere?) TherapeutInnen und kriegt dort Therapie zu Dumping-Preisen.
Oder KlientIn kann drauflos-agieren mit Krankenscheintherapie, weil TherapeutIn
1.Klasse(?) höchstwahrscheinlich sehr abhängig ist vom regelmäßigen
Erscheinen ihrer KlientInnen, da sie ja eventuell von den Krankenscheinabrechnungen
leben muß.
Neben der ethischen Selbstvernichtung des Berufsstandes auch Themen für Gewerkschaft
(Gratisarbeit) und Kosumentenschutz.
Ich merke, aus mir sprudelt schon wieder viel Zynismus , drum hör ich jetzt
wieder auf mit dem Schreiben.
Gibt es noch die Möglichkeiten einer politischen Lösung?
Ist demokratiepolitisches Denken und Handeln überhaupt gefragt in der Berufsgruppe
der TherapeutInnen?
Wird aus dem persönlichem Hick-Hack ein politischer Diskurs?
Kann gehofft werden, daß die allgemeine Politisierung durch die Regierungssituation
auch auf die Berufspolitik der PsychotherapeutInnen Auswirkungen zeigt?
Hier in Graz nehme ich ja eher (zum Glück nicht bei allen KollegInnen) die
Strategien wahr :
"Besser ein schlechter, als kein Vertrag" (warum versteh ich bis heute
nicht) und "Da kann man halt nichts machen" und die Überlegungen
"Wie werd ich bloß ABC erfüllen können?".
Da tun e-mails wie die Ihren gut und beleben müde Kampfgeister.
Mit "wurmstichigen" Grüßen,
Ines Glinig
Von: Karin Türl <karin.tuerl@vpn.at>
Datum: Samstag, 15. April 2000 20:56
Betreff: Offener Brief an Frau Dr. Sprinz
Sehr geehrte Frau Dr. Sprinz!
Ich habe heute den Weg zum Hearing der KandidatInnen für die Präsidiumswahl
2000 auf mich genommen, um mir ein Bild von jenen Personen zu machen, die ich da
eingeladen bin, als meine Vertreter zu wählen.
Aus privaten Gründen konnte ich nicht den ganzen Tag anwesend sein, doch das,
was ich sah und hörte machte mich betroffen:
Durch Ihren Umgang mit der Redezeit ließen Sie dem zwar spärlich vertretenen,
aber interessierten "Publikum" nicht einmal die Möglichkeit, Fragen
an Sie zu stellen. Noch dazu, wo Sie als einzige der KadidatInnen persönliche
Stellungnahmen völlig vermissen ließen und sich statt dessen in Inhalten
und Rechtfertigungen verloren.
Sollte das eine Kostprobe Ihrer hinkünftigen Umgangsweise mit zahlenden Mitgliedern
des ÖBVP gewesen sein?
Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass allein nach Ihrer Rede eine Dynamik im Saal
entstand, die Ausdruck von Ärger und Enttäuschung waren. So wie viele
andere fühlte auch ich mich völllig übergangen!
Haben Sie es nicht mehr nötig, in einen Dialog mit der Basis zu treten?
Im Gegensatz zu Ihnen haben sich alle anderen KandidatInnen frei und offen einer
Auseinandersetzung mit den Anwesenden gestellt. Die Personen um Frau Dr. Margret
Aull (denen ich bisher durchaus kritisch gegenüber stand) waren nicht nur sehr
gut vorbereitet, sie haben gezeigt, dass sie nicht nur aus "der Opposition
heraus agieren", sondern den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen.
Die Spaltung der Berufsgruppe ist bedauerlicherweise bedenklich fortgeschritten,
sodass wir an der Spitze dringend integre Persönlichkeiten brauchen, die den
Dialog zu fördern vermögen! Einem Team muss man vertrauen können,
denn es kann nicht jede berufspolitische Entscheidung mit mehr als 5000 Mitgliedern
abgehandelt werden. Vertrauen braucht aber Offenheit, Ehrlichkeit und eine möglichst
breite Information, die Austausch zulässt!
Schade, dass sich davon nicht mehr Berufskollegen selbst ein Bild machen konnten!
Mit freundlichem Gruß!
Karin Türl
Psychotherapeutin
4020 Linz