In den letzten Monaten ist im ÖBVP
eine äußerst kritische Situation entstanden. Unter dem Druck des Hauptverbandes
wurde ein Kassenvertragsentwurf vorgelegt, der unsere Berufsvertretung vor eine
sehr schwierige Entscheidung stellte. Damit waren auch hohe Anforderungen an die
Führung unseres Verbandes gestellt. Leider hat diese aus unserer Sicht diesen
Anforderungen weitgehend nicht entsprochen:
Nicht die Befürwortung der Vertragsannahme halten wir dem scheidenden Präsidium
vor, sondern den Machtmißbrauch und die verantwortungslose Gängelung
des Verbandes, mit dem es seinen persönlichen Standpunkt den Mitgliedern aufzuzwingen
versuchte. Gerade angesichts einer so schwierigen Entscheidung hätte eine verantwortungsbewußte
demokratische Führung des Verbandes folgendes erfordert:
- Möglichst breite und sachliche Information aller Mitglieder, damit sie
sich eine fundierte Meinung bilden können. Stattdessen verfolgte dieses Präsidium
eine Linie des Verschweigens, der Halbwahrheiten, der Desinformation. Bis heute
sind vielen Mitgliedern die tatsächlich mit dem Hauptverband getroffenen Absprachen
und ihre Bedeutung nicht in ihrer vollen Tragweite bekannt.
- Nutzung aller Ressourcen im Verband, um offene Sachfragen zu klären. Stattdessen
wurden wichtige Fragen nur deshalb nicht untersucht, weil diese Untersuchung unliebsame
Ergebnisse erbringen hätte können (Einholung unabhängiger Rechtsgutachten,
Erhebung über die ökonomischen Auswirkungen, sachgerechte Erhebung über
die Auswirkungen auf die Situation der PsychotherapeutInnen und AusbildungskandidatInnen
etc.)
- Förderung des freien Meinungsaustausches unter den Mitgliedern unter fairer
Abwägung aller Argumente, damit es zu einer informierten und fundierten
Willensbildung unter den Mitgliedern kommt. Stattdessen mißbrauchte das scheidende
Präsidium die ihm vom Verband in die Hand gegebenen Mittel und Medien, um ausschließlich
für den eigenen Standpunkt zu werben und jede Gegenmeinung zu diffamieren.
- Verantwortungsvollen demokratischen Umgang mit den Entscheidungsstrukturen
und -verfahren im Verband. Stattdessen wurden diese zu einer Spielwiese von
Geschäftsordnungs- und Statutenakrobatik gegen ihren eigentlichen demokratischen
Sinn verzerrt.
Dr. Sprinz und Dr. Szyszkowits, die in den Führungspositionen für das
Pritz-Nachfolge-Team kandidieren, haben die Linie des scheidenden Präsidiums
als Mitglied des Verhandlungsteams bzw. als Vizepräsidentin entscheidend mitgetragen
und daher mitzuverantworten.
Wir sind für eine konstruktive Veränderung und unterstützen deshalb
die Kandidatur des Teams von Dr. Margret Aull,
- weil sich die Mitglieder dieses Teams aktiv für eine Kurskorrektur im ÖBVP
und für einen demokratischen, integrativen Umgang mit den Meinungsverschiedenheiten
im Verband eingesetzt haben und weil sie dabei Umsicht und Sorgfalt an den Tag gelegt
haben;
- weil sie daher glaubwürdig die anstehende demokratische Erneuerung und die
Rückkehr zu einer sachlichen und integrativen Politik im ÖBVP repräsentieren;
- weil sie in ihren bisherigen Funktionen und Tätigkeiten in der Berufspolitik
die Kompetenz, Einsatzbereitschaft und konstruktive Kooperationsfähigkeit gezeigt
haben, die wir uns für die Führung des Verbandes wünschen.
Thomas Aichhorn
Dr. Nancy Amendt-Lyon
Dr. Erwin Bartosch
Dr. Maria Bruckbäck
Dr. Edith Frank-Rieser
a.o. Univ. Prof. Dr. Oskar Frischenschlager
Mag. Kathleen Höll
Prof. Eva Kriechbaum-Tritthart
Ass. Prof. Dr. Anton Laireiter
Eva-Maria Melchart
Prof. Dr. Franz Alberich Pesendorfer
Harald Picker
Dr. Richard Picker
HR Dr. Olga Schaendlinger
Univ. Prof. Dr. Gerhard Schüßler
Dr. Gerhard Stemberger
Peter Stippl
Dr. Egon Urban
Karin Vokoun-Tremba
Dr. Helga Wimmer