Bei der letzten Buko am 22.Jänner wurde der vorliegende Gesamtvertragstext
zur Abstimmung gebracht. Die Bundeskonferenz hat diesen abgelehnt, da die in den
Statuten des ÖBVP verankerte Zweidrittel-Mehrheit nicht erreicht wurde. Trotzdem
wurde ein Antrag auf die Einberufung einer neuerlichen Buko am 12.2. mit dem Ziel
eingebracht, dieses demokratische Votum doch noch umzudrehen. Der Antrag wurde mit
einfacher Mehrheit und der Begründung angenommen: "In der Zwischenzeit
soll das Verhandlungsteam und das Präsidium Gespräche mit dem HV führen
in Richtung Verbesserung des Vertrages, sodaß erneut abgestimmt werden kann".
Am 24.1. hat ein ausführliches Gespräch zwischen dem ÖBVP (Dr. Pritz,
Dr. Fiegl, Mag. Wahala als KandidatInnenvertreter) und dem Hauptverband stattgefunden.
Inhalt der Gespräche waren die längst überfällige Institutionenliste,
die schmal und restriktiv geblieben ist, und die Anliegen der AusbildungskandidatInnen.
Verbesserungen wurden nicht erreicht. Damit sind auch die von der KandidatInnenkonferenz
nachdrücklich eingeforderten Verbesserungen abgelehnt. Wozu also nochmals abstimmen?
Bereits bei der letzten Buko haben KandidatInnenvertreterInnen von Landesverbänden
im Interesse der von ihnen repräsentierten KandidatInnen sich gegen den vorliegenden
Gesamtvertragsentwurf ausgesprochen, klar abgegrenzt zum Abstimmungsverhalten ihrer
KollegInnen der jeweiligen Landesvorstände. Die in den Ländern und Vereinen
organisierten KandidatInnen beraten nun gemeinsam ihre weitere Vorgangsweise am
5. Feber, also noch vor der Bundeskonferenz. Bekanntlich haben einzelne LeiterInnen
der Propädeutika ebenfalls gegen den Vertragsentwurf gestimmt, und zwar aufgrund
der nahezu aussichtslosen Lage ihrer KandidatInnen im Falle einer Vertragsannahme.
Es stellen sich die Fragen: "Welchen Stellenwert haben unsere zukünftigen
KollegInnen im ÖBVP? Wer vertritt ihre Interessen ? Nur die Fachspezifika,
oder auch die Landesverbände, deren zahlende Mitglieder sie schließlich
sind? "
Die Buko-Delegierten des WLP Dr. Jutta Fiegl, Ingrid Erkinger und Hans Mauder haben
auf der letzten Buko geschlossen für den Vertrag gestimmt. Wo blieb jedoch
die Rückbindung an die Meinung der 1200 WLP-Mitglieder? Wien ist eben wirklich
anders. Auf den beiden Informationsveranstaltungen im Herbst wurde nicht über
pro und contra abgestimmt. Das Stimmungsbild hingegen war deutlich - jedenfalls
nicht pro Vertrag. Auch die stümperhafte schriftliche Erhebung - die Entschuldigung
dafür in den WLP-Nachrichten nehmen wir gerne zu Kenntnis - konnte kein realistisches
Bild für eine Abstimmungsdelegation liefern. Eine korrekte Erhebung der Meinung
der Mitglieder und deren Empfehlung für das Abstimmungsverhalten der WLP-Delegierten
hat niemals stattgefunden. Trotzdem wurde in einer österreichweiten ÖBVP-Aussendung
behauptet, daß die Wiener Mitglieder mehrheitlich für den Vertrag seien.
Wir fragen: Auf welche Unterlagen stützt sich dabei der WLP-Vorstand? Eine
nicht anonymisierte Befragung, bei der noch dazu die klare Fragestellung über
Pro und Kontra gefehlt hat - Mißgeschick hin oder her - mit einem Rücklauf
von 300 von 1200 kann es nicht sein.
Im krassen Gegensatz zur Meinungsbildung in anderen Ländern und Vereinen, denen
die Legitimation des Stimmverhaltens durch die Rückbindung an die Mitgliedermeinung
wichtig ist, betrachten sich die WLP-Delegierten offensichtlich als "freie"
MandatarInnen, losgelöst und unabhängig vom Willen ihrer zahlreichen Mitglieder.
Erstaunlich, daß nicht einmal erwogen wurde, eine einzige der 3 Delegiertenstimmen
als Kontra-Stimme zu berücksichtigen, auch nicht von der KandidatInnenvertretung.
Fest steht jedenfalls: Wir unterzeichneten Buko-Delegierten, die eine erhebliche
Anzahl der Wiener KollegInnen in den fachspezifischen Vereinigungen vertreten, sehen
die Meinung der Wiener Kolleginnen, vor allem auch unserer AusbildungskandidatInnen,
im Abstimmungsverhalten der WLP-Delegierten nicht ausreichend repräsentiert.
Anstatt in Wien sinnvolle Lösungen sowohl für den Fall einer Annahme als
auch der Ablehnung des Vertragsentwurfs vorzubereiten, hat der WLP-Vorstand einseitig
auf die Karte der unbedingten Vertragsannahme gesetzt. Nicht berücksichtigt
wird, daß es bereits bestehende Ländermodelle gibt, die als Vorbild für
eine Wiener Lösung dienen könnten, und daß die WGKK mehrfach betont
hat, auf Wiener Ebene den WLP als ersten Ansprechpartner für eine Vereinslösung
zu betrachten. In Niederösterreich etwa ist selbstverständlich, daß
der Landesverband als Ansprechpartner der NöGKK auch zuständig für
interessierte Vereine ist und diese daher an den NÖLP verwiesen werden.
Für die Gesamtvertragsebene liegt der von der AQA initiierte Expertenvorschlag
vor sowie der von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten unterzeichnete "Appell
an die Vernunft" mit dem Vorschlag eines "Runden Tisches" auch aller
politisch Verantwortlichen, um die Rahmenbedingungen für eine gute Lösung
sicherzustellen.
Die psychotherapeutische Welt geht nicht unter ohne Gesamtvertrag, eher schon mit
ihm.
Alle UnterzeichnerInnen sind WLP-Mitglieder und Buko-Delegierte der Fachspezifika:
Thomas Aichhorn
Mag. Gertrud Baumgartner
Univ.-Prof. Dr. Oskar Frischenschlager
Dr. Alfred Grillmeier
Mag. Sonja Prager
Mag. Andreas Wachter
Konrad Wirnschimmel