ALLE Pro?
Die Meinung der WLP-Mitglieder und die Stimmen der WLP-Delegierten


Thomas Aichhorn, Mag. Gertrud Baumgartner, a.o.Univ.-Prof. Dr. Oskar Frischenschlager, Dr. Alfred Grillmeier, Mag. Sonja Prager, Mag. Andreas Wachter, Konrad Wirnschimmel
(Zur Veröffentlichung in den WLP-Nachrichten eingereicht)

Bei der letzten Buko am 22.Jänner wurde der vorliegende Gesamtvertragstext zur Abstimmung gebracht. Die Bundeskonferenz hat diesen abgelehnt, da die in den Statuten des ÖBVP verankerte Zweidrittel-Mehrheit nicht erreicht wurde. Trotzdem wurde ein Antrag auf die Einberufung einer neuerlichen Buko am 12.2. mit dem Ziel eingebracht, dieses demokratische Votum doch noch umzudrehen. Der Antrag wurde mit einfacher Mehrheit und der Begründung angenommen: "In der Zwischenzeit soll das Verhandlungsteam und das Präsidium Gespräche mit dem HV führen in Richtung Verbesserung des Vertrages, sodaß erneut abgestimmt werden kann".

Am 24.1. hat ein ausführliches Gespräch zwischen dem ÖBVP (Dr. Pritz, Dr. Fiegl, Mag. Wahala als KandidatInnenvertreter) und dem Hauptverband stattgefunden. Inhalt der Gespräche waren die längst überfällige Institutionenliste, die schmal und restriktiv geblieben ist, und die Anliegen der AusbildungskandidatInnen. Verbesserungen wurden nicht erreicht. Damit sind auch die von der KandidatInnenkonferenz nachdrücklich eingeforderten Verbesserungen abgelehnt. Wozu also nochmals abstimmen?

Bereits bei der letzten Buko haben KandidatInnenvertreterInnen von Landesverbänden im Interesse der von ihnen repräsentierten KandidatInnen sich gegen den vorliegenden Gesamtvertragsentwurf ausgesprochen, klar abgegrenzt zum Abstimmungsverhalten ihrer KollegInnen der jeweiligen Landesvorstände. Die in den Ländern und Vereinen organisierten KandidatInnen beraten nun gemeinsam ihre weitere Vorgangsweise am 5. Feber, also noch vor der Bundeskonferenz. Bekanntlich haben einzelne LeiterInnen der Propädeutika ebenfalls gegen den Vertragsentwurf gestimmt, und zwar aufgrund der nahezu aussichtslosen Lage ihrer KandidatInnen im Falle einer Vertragsannahme. Es stellen sich die Fragen: "Welchen Stellenwert haben unsere zukünftigen KollegInnen im ÖBVP? Wer vertritt ihre Interessen ? Nur die Fachspezifika, oder auch die Landesverbände, deren zahlende Mitglieder sie schließlich sind? "

Die Buko-Delegierten des WLP Dr. Jutta Fiegl, Ingrid Erkinger und Hans Mauder haben auf der letzten Buko geschlossen für den Vertrag gestimmt. Wo blieb jedoch die Rückbindung an die Meinung der 1200 WLP-Mitglieder? Wien ist eben wirklich anders. Auf den beiden Informationsveranstaltungen im Herbst wurde nicht über pro und contra abgestimmt. Das Stimmungsbild hingegen war deutlich - jedenfalls nicht pro Vertrag. Auch die stümperhafte schriftliche Erhebung - die Entschuldigung dafür in den WLP-Nachrichten nehmen wir gerne zu Kenntnis - konnte kein realistisches Bild für eine Abstimmungsdelegation liefern. Eine korrekte Erhebung der Meinung der Mitglieder und deren Empfehlung für das Abstimmungsverhalten der WLP-Delegierten hat niemals stattgefunden. Trotzdem wurde in einer österreichweiten ÖBVP-Aussendung behauptet, daß die Wiener Mitglieder mehrheitlich für den Vertrag seien. Wir fragen: Auf welche Unterlagen stützt sich dabei der WLP-Vorstand? Eine nicht anonymisierte Befragung, bei der noch dazu die klare Fragestellung über Pro und Kontra gefehlt hat - Mißgeschick hin oder her - mit einem Rücklauf von 300 von 1200 kann es nicht sein.

Im krassen Gegensatz zur Meinungsbildung in anderen Ländern und Vereinen, denen die Legitimation des Stimmverhaltens durch die Rückbindung an die Mitgliedermeinung wichtig ist, betrachten sich die WLP-Delegierten offensichtlich als "freie" MandatarInnen, losgelöst und unabhängig vom Willen ihrer zahlreichen Mitglieder. Erstaunlich, daß nicht einmal erwogen wurde, eine einzige der 3 Delegiertenstimmen als Kontra-Stimme zu berücksichtigen, auch nicht von der KandidatInnenvertretung. Fest steht jedenfalls: Wir unterzeichneten Buko-Delegierten, die eine erhebliche Anzahl der Wiener KollegInnen in den fachspezifischen Vereinigungen vertreten, sehen die Meinung der Wiener Kolleginnen, vor allem auch unserer AusbildungskandidatInnen, im Abstimmungsverhalten der WLP-Delegierten nicht ausreichend repräsentiert.

Anstatt in Wien sinnvolle Lösungen sowohl für den Fall einer Annahme als auch der Ablehnung des Vertragsentwurfs vorzubereiten, hat der WLP-Vorstand einseitig auf die Karte der unbedingten Vertragsannahme gesetzt. Nicht berücksichtigt wird, daß es bereits bestehende Ländermodelle gibt, die als Vorbild für eine Wiener Lösung dienen könnten, und daß die WGKK mehrfach betont hat, auf Wiener Ebene den WLP als ersten Ansprechpartner für eine Vereinslösung zu betrachten. In Niederösterreich etwa ist selbstverständlich, daß der Landesverband als Ansprechpartner der NöGKK auch zuständig für interessierte Vereine ist und diese daher an den NÖLP verwiesen werden.

Für die Gesamtvertragsebene liegt der von der AQA initiierte Expertenvorschlag vor sowie der von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten unterzeichnete "Appell an die Vernunft" mit dem Vorschlag eines "Runden Tisches" auch aller politisch Verantwortlichen, um die Rahmenbedingungen für eine gute Lösung sicherzustellen.

Die psychotherapeutische Welt geht nicht unter ohne Gesamtvertrag, eher schon mit ihm.

Alle UnterzeichnerInnen sind WLP-Mitglieder und Buko-Delegierte der Fachspezifika:

Thomas Aichhorn
Mag. Gertrud Baumgartner
Univ.-Prof. Dr. Oskar Frischenschlager
Dr. Alfred Grillmeier
Mag. Sonja Prager
Mag. Andreas Wachter
Konrad Wirnschimmel


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