Sektion Psychotherapie der

Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen (GTA)

SOCIETY FOR GESTALT THEORY AND ITS APPLICATIONS (GTA)

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (DAGP/GTA)
Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (ÖAGP/GTA)

 

Dieter Zabransky und Marianne Soff

Einführung in die Grundlagen Gestalttheoretischer Psychotherapie

© Dieter Zabransky und Marianne Soff, 1998


Gestalttheoretische Grundlagen

Die "Tendenz zur guten Gestalt"

Als zentrales psychologisches Konzept zum Verständnis menschlichen Erlebens und Handelns gilt im Sinne eines selbstorganisatorischen Prinzips die "Tendenz zur guten Gestalt", die auch als "Prägnanztendenz" bezeichnet wird. Sie wurde in eine Vielzahl verschiedener Gestaltgesetze differenziert, z. B. in das Gesetz der Geschlossenheit, das der Nähe, der Symmetrie, usw.

Der "Tendenz zur guten Gestalt" verdanken wir es, daß wir uns in der Welt überhaupt zurechtfinden. Es wäre wohl kaum zu ertragen, wenn sich etwa die Gegenstände, die wir mit unseren Augen betrachten, entsprechend den auf unsere Netzhaut auftreffenden Sinnesreizen ständig ändern würden. Die Prägnanztendenz ermöglicht es, daß uns die wahrgenommenen Gegenstände konstant erscheinen (sog. Dingkonstanz), indem sie uns einen wahrgenommen Gegenstand auch unter veränderten Wahrnehmungsbedingungen als denselben erkennen läßt. Dadurch bleibt der Eindruck von Konstanz und Kontinuität in unserem Erleben gewahrt (vgl. WALTER 1985a, 1985b).

METZGER beschreibt die "Tendenz zur guten Gestalt" allgemein als den tief in uns angelegten Drang, Gestörtes in Ordnung zu bringen und bei Unentwickeltem Geburtshelfer zu sein. Der Mensch besitzt diese Fähigkeit zur spontanen Selbstorganisation, die es ihm ermöglicht, situationsgemäß ein inneres Gleichgewicht aus eigenen Kräften wiederherzustellen und sich neu zu stabilisieren, ohne daß ordnende Eingriffe von außen notwendig sind. Hingegen kann das Vorhandensein starrer innerer Strukturen für das Herstellen des Gleichgewichtes eher hinderlich sein. Gerade solche starren Verknüpfungen zwischen Bewußtseinsinhalten, oder zwischen Bewußtseinsinhalten und bestimmten Verhaltensweisen stellen starke Barrieren dar, welche die Fähigkeit zur Selbstregulation einschränken. Eine Barriere kann z.B. darin bestehen, daß jemand seine momentane Deprimiertheit nicht akzeptieren will und sie am liebsten ignorieren würde. Im Kontakt mit dem Therapeuten kann er sich vielleicht zum ersten Mal ermutigt fühlen, dieses abgelehnte Gefühl zuzulassen und zu akzeptieren. Die Überwindung einer bisher für unüberwindlich gehaltenen Barriere kann, eine entscheidende therapeutische Wendung sein. Die Therapiebedingungen sollen auf eine Weise gestaltet werden, daß die "Tendenz zur guten Gestalt" wirksam werden kann. 12


Fußnoten:

12 vgl. Kap. 4.1.: Die Therapiesituation als "Ort schöpferischer Freiheit" ->zurück zum Text


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