Sektion Psychotherapie der

Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen (GTA)

SOCIETY FOR GESTALT THEORY AND ITS APPLICATIONS (GTA)

Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (DAGP/GTA)
Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Gestalttheoretische Psychotherapie (ÖAGP/GTA)

 

Dieter Zabransky und Marianne Soff

Einführung in die Grundlagen Gestalttheoretischer Psychotherapie

© Dieter Zabransky und Marianne Soff, 1998


    Zur gestalttheoretisch-psychotherapeutischen Methodik

Die Therapiesituation als "Ort schöpferischer Freiheit"

Die konkrete Aufgabe des Gestalttheoretischen Psychotherapeuten liegt darin, für den therapeutischen Prozeß förderliche Randbedingungen herzustellen. Es gilt, die Eigenart des Lebendigen zu berücksichtigen, so daß im Umgang mit Menschen schöpferische Kräfte zur Entfaltung kommen können. Dies führt METZGER im gestaltpsychologischen Konzept der "schöpferischen Freiheit" aus. Es geht

" ...... vor allem darum, Bedingungen herzustellen, unter denen solche Kräfte auftreten, und vor allem darum, Hindernisse der verschiedensten Art wegzuräumen, damit sie, wo sie vorhanden sind, überhaupt wirksam werden können. Der Zustand, der auf solche Weise herbeigeführt werden soll - und kann -, ist das, was wir inzwischen als 'schöpferische Freiheit' bezeichnet haben" (METZGER, 1962).

WALTER (1985a) beschreibt in einer Weiterentwicklung der Gedanken METZGERs die 'Therapiesituation als einen Ort "schöpferischer Freiheit". Das Wirken schöpferischer Kräfte wird überall dort vorausgesetzt, "wo aus dem Tun eines Menschen etwas ... Besonderes, Neues, Eigenartiges, Ursprüngliches, Echtes, Wahres" entsteht, wie

"die Klarlegung ungeahnter Zusammenhänge, eine Entdeckung, eine Erfindung, die unerwartete und überzeugende Lösung einer organisatorischen Aufgabe, aber auch die von niemand für möglich gehaltene Auflösung eines menschlichen Zerwürfnisses" (METZGER, 1962).

Schöpferische Freiheit bedeutet im Umgang mit Lebendigem, dessen Eigenart gerecht zu werden. Willkürliche Änderungen des Lebendigen von außen sind im besten Fall unwirksam im schlimmsten Fall werden sie zu gewaltsamen Eingriffen, welche verheerende Folgen haben können. Eine förderliche Haltung kommt in dem bekannten Sprichwort "Don't push the river, it flows by itself" bildlich zum Ausdruck. Die Nähe von METZGERs Verständnis vom Lebendigen zu fernöstlichen Traditionen wie dem Zen-Buddhismus und taoistischen Traditionen hat KÄSTL (1990) herausgearbeitet. Als wirksame Prinzipien im Umgang mit dem Lebendigen sind insbesondere die Nicht-Beliebigkeit der Form, der Arbeitszeit und Arbeitsgeschwindigkeit, die Gestaltung aus inneren Kräften und die Duldung von Umwegen beschrieben worden. 15

Schöpferische Freiheit, wie sie hier verstanden wird, kann letztlich nur in der Beziehung zu anderen entstehen und verwirklicht werden. Auch ADLER (1927) betonte die

"Notwendigkeit, den Menschen als ein Gemeinschaftswesen zu betrachten",

dessen Handeln wesentlich vom Gemeinschaftsgefühl, vom Gefühl der Zusammengehörigkeit bestimmt ist. SPERBER, einer der bedeutendsten Schüler ADLERS, sah als Charakteristikum des freigewordenen Menschen seine Fähigkeit an, in der menschlichen Bindung frei zu bleiben und sich aus einer souveränen Freiheit heraus zu binden (SPERBER, 1980).


Fußnoten:

15 siehe dazu METZGER, 1962, WALTER, 1985a ->zurück zum Text


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