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Sektion Psychotherapie der |
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Dieter Zabransky und Marianne Soff
Die den Psychotherapieprozeß fördernden psychotherapeutischen Interventionen sind aus der sachlichen Gefordertheit der jeweiligen Therapiesituation immer von neuem zu bestimmen und haben den Kennzeichen METZGERs bei der Arbeit am Lebendigen zu genügen; die Art der Veränderung bleibt dabei Sache des Klienten.
Aus den Kennzeichen der Arbeit am Lebendigen läßt sich ableiten, daß etwa bei der Anwendung gestalt-therapeutischer Interventionstechniken darauf zu achten ist, daß der Klient nicht überfordert oder gar überrumpelt wird. Dies stünde im Widerspruch zu den Kennzeichen "Nicht-Beliebigkeit der Arbeitsgeschwindigkeit und Arbeitszeiten". Bewußtseinsübungen, welche die Gefahr der Überforderung bergen, haben deshalb ein Korrektiv in Verantwortlichkeitsübungen, welche zur Anwendung kommen,
"wenn der (im Zustand erhöhter "Flüssigkeit") auf "Entdeckungsreise" gegangene Klient auf Neues gestoßen ist (im Sinne von "Erweiterung" und "Differenzierung" seines Lebensraumes). Diese Überlegungen bedeuten als Regel gefaßt: Dem dialektischen Charakter gestalttheoretisch begründeten Vorgehens ist durch kontinuierlichen Wechsel zwischen Betonung der Bewußtheit und der Betonung der Verantwortlichkeit Rechnung zu tragen" (WALTER, 1985a).
PERLS (1974) beschreibt den psychotherapeutischen Prozeß als einen Prozeß des persönlichen Wachstums und der Entfaltung des menschlichen Potentials, der Zeit braucht. Er kann weder künstlich beschleunigt werden, noch können notwendige einzelne Schritte dabei ausgelassen werden. Entsprechend der Feststellung LEWINs:
"Eine richtige Darstellung dessen, was 'ist', ist zugleich eine 'Erklärung' dessen, was geschieht" (LEWIN, 1969)
geht es im psychotherapeutischen Prozeß darum, prägnant zu machen , was ist (WALTER, 1985a). PERLS geht im Verlauf des therapeutischen Prozesses vom Erleben der Blockierung als der entscheidenden Stelle in der Therapie aus ("Sackgasse"), aus welcher der Klient in der Therapiesituation lernen kann, mit der Begleitung des Psychotherapeuten aus eigener Kraft wieder herauszufinden.
Nach PERLS durchläuft der Therapieprozeß von Neurosen insgesamt fünf charakteristische Phasen:
Der Klient verhält sich noch unpersönlich und klischeehaft, bedeutungsentleerte Symbole herrschen vor.
Sie ist gekennzeichnet durch geringe Spontaneität und geringen Kontakt; der Klient spielt z.B. die Rolle des braven Buben, die Rolle der Heulsuse, USW.
Sobald der Klient die Ebene der Rollenspielphase verläßt, kommt es zum Erlebnis von Spannung und Leere ("Sackgasse"). Der Klient versucht diesem Unlusterlebnis zu entgehen, indem er eine phobische Vemeidungshaltung einnimmt.
Es kommt zum Erleben von massiver Angst und Gelähmtsein auf Grund von entgegengesetzt wirkenden Feldkräften im Lebensraum des Klienten.
Die Explosionsphase geht aus der Implosion hervor, sobald es zur wirklichen Berührung mit der Leblosigkeit der implosiven Schicht kommt. PERLS unterscheidet vier Arten von "Explosionen": Trauer bzw. Weinen; Freude bzw. Lachen; Ärger bzw. Wut; Orgasmus. Die Explosion ist einem "Aha-Erlebnis" vergleichbar, wie es sich etwa bei der Lösung einer kurz zuvor noch für unlösbar gehaltenen Aufgabe einstellt. Im psychotherapeutischen Kontext bedeutet sie eine momentane Befreiung und kann nach gründlichem Durcharbeiten der zugrundeliegenden Probleme zur Überwindung der Sackgasse" führen.
Angelehnt an die Modellvorstellung LEWINs (1963), das auf der Dynamik psychischer Feldkräfte im Lebensraum des Menschen beruht: "Auftauen - Ändern - Neustabilisieren", formuliert WALTER (1985a) ein allgemeines Drei-Phasen-Modell des psychotherapeutischen Prozesses:
Zunächst wird das Gleichgewicht des menschlichen Lebensraums zunehmend labiler, indem im Therapieverlauf die Grenzen zwischen Lebensraumbereichen durchlässiger werden und so die Feldkräfte in isolierten Teilen, Verdrängungen, Regressionen, Introjektionen und Projektionen frei werden für Veränderungen ihrer Stärke und ihrer Zielrichtungen.
"Damit die Schale der Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit aufgebrochen wird, muß man manchmal eine affektive Aufrüttelung vorsätzlich einführen"(LEWIN, 1963).
Dies kann durch gezielte Frustration oder Provokation des Klienten geschehen ("skillful frustration" nach PERLS).
In der zweiten Phase des therapeutischen Prozesses kommt es allmählich zur Entwicklung und Erprobung veränderter oder neuer, von inneren Kräften getragenen Formen des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Handelns ("Gestaltung aus inneren Kräften", METZGER 1962). Dies wird als besonders schwierige Phase für den Klienten angesehen, da ein früherer Gleichgewichtszustand - das "neurotisches Arrangement" - aufgegeben worden ist und ein neuer befriedigender Gleichgewichtszustand noch nicht eingetreten ist. Dieser pendelt sich zumeist erst allmählich ein und erfordert eine besonders verantwortliche Begleitung durch den Psychotherapeuten. Den einander widerstreitenden freigewordenen Feldkräften entsprechen oftmals heftige gegensätzliche Gefühle wie etwa starke Schwankungen zwischen hoffnungsvoller Erwartung und hoffnungslosem Rückzug.
Der psychotherapeutische Prozeß findet seinen Abschluß in der Wiederherstellung eines Gleichgewichtes auf einem erhöhten Prägnanzniveau im Sinne einer Erweiterung, Differenzierung und größerer Flüssigkeit des Lebensraumes. In dieser letzten Phase, in der es darum geht, die Auswirkungen der Veränderungen seines Lebensraumes als Ergebnisse persönlicher Entscheidungen für das eigene Leben zu akzeptieren, steht die Selbstverantwortung des Klienten im Vordergrund.
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